Eine Bank ist kein Zuhause!, so war der diesjährige Slogan anlässlich des bundesweiten Tag der Wohnungslosen in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Von 10 Uhr bis 16 Uhr präsentierte sich die Diakonie Hessen und die Selbstvertretung wohnungsloser Menschen und das Armutsnetzwerk - Karsten (Mainz) - auf dem Mauritiusplatz im Herzen der Stadt.

Unter der Leitung von Herrn Lutz bauten und betreuten die ca. 7 Mitarbeiter*innen die Stationen. An einem Glücksrad konnte man eine Wohnung gewinnen. Nein, es gab nur an, aus welchen Gründen der Interessent*in die Wohnung, sei es wegen Schufa, Hautfarbe, Kinder, Tiere, schmuddeliges Aussehen oder zu wenig Einkommen, nicht bekommen konnte. An einer Filzwand durften Fotos,die Dinge zum Leben zeigten, in die Spalten „Luxus“ und „Zum Leben dringend benötigt“ angepinnt werden. Mit anschliessender Diskusion über das Meisterwerk.

Da die Diakonie Wiesbaden mit 9 Wohncontainer ganzjährlich ein kleines Containerdorf errichtet hat, wurde ein solcher im Grundriss 1:1 (12 qm) und mit Einrichtungsgegenständen aus Karton nachgestellt. So haben mindestens 9 Menschen oder Paare ein kleines zu Hause. Wettergeschützt, Strom, Singleküche, Heizung. Für die Hygiene stehen weitere 2 Container. Ferner standen noch zwei Infotische mit allerlei Infomaterial und später auch die Unsrigen.

Und dazwischen wuselte ich herum, verteilte unsere Infobroschüren und unterhielt mich quirlig mit den Diakonern und den Besuchern. Ich war ganz schön enttäuscht, dass das Sommercamp oder die Selbstvertretung wohnungsloser Menschen zwar vage bekannt war, aber sich bis dato noch keiner intensiv damit beschäftigt hat. Man fand es eher belanglos. Da wurde nach Sinn und Zweck gefragt, nach Teilnehmerzahl, Strukturen, Internetpräsenz, Mitwirkende- und arbeiter, Träger, Verantwortliche, Ansprechpartner, usw. Schön, wenn man sofort Aufklärungsarbeit vor Ort leisten kann.

 Um 16.00 Uhr sammelten sich ca. 25 Menschen um Erich Schmitt. Erich (57) ist ein Mitarbeiter der Diakonie Wiesbaden,war selbst Obdachlos und arbeitet nun als Suchtbetreuer. Er hat uns zu einer Führung durch „sein“ Wiesbaden einegeladen. Das Wiesbaden aus der Sicht eines Wohnungslosen. Er zeigte und erzählte von seinen Leben ,den Platten, Plätzen und seiner Trinkerei, durch die er seine Frau, die Wohnung, den Job und letztlich noch ein Bein verloren hat. Erich ist nun seit 11 Jahren trocken. Er hat wieder eine Wohnung, eine verantwortungsvolle Tätigkeit, einen Führerschein gemacht und seine alte Freundin geheiratet. Nach einer knappen Stunde lösten wir uns dann auf.

Ich fuhr dann nach Mainz zurück. Für das nächste Jahr wünsche ich mir einen Stand, vielleicht mit Unterstützung durch die geplante regionale Gruppe der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen und Armutsnetzwerk. Und warum nicht mal in Mainz?

Bild und Text : Karsten Dunzweiler September 2019

Vor einer Woche habe ich die Fachtagung Wohnungslosenhilfe in Schleswig-Holstein besucht.

Foam on the shore of the lake Palokkajärvi, Jyväskylä - Quelle: WikiCommonsIch habe ja nun schon mehrere solche Veranstaltungen hinter mir, auf denen Fachleute und Experten über Laien (hier 'Klienten' oder 'Adressaten' genannt) sprechen. Verständlich ist das aber nur für die Experten, ProfessorInnen usw., während man als Betroffener von Wohnungslosigkeit und Armut kopfschüttelnd zurückbleibt und sich fragt: Was soll das eigentlich alles? Wozu machen die das? Warum geben sie nicht einfach den Wohnungssuchenden Wohnungen, und gut is' ?

Aber nur Joachim Tein und Lukas Lehmann von der Hempels- Stiftung beschäftigen sich damit, wohnungslose Menschen mit Wohnraum zu versorgen, während die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Geld eher damit verdienen, welche Worte zulässig sind, und welche nicht.

Nach dem Landespastor Heiko Naß legte die Ministeriumsfrau Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! auf. Frau Krost fungiert als Vertreterin der Referentin für Soziales im Ministerium.

Sie las mit monotoner Stimme einen vorbereiteten Text ab. Eher kein selbst formuliertes Grußwort, meinte man das Fabrikat eines ihrer Mitarbeiter herauszuhören.

Der Chef des Ministeriums für Soziales(...), Heiner Garg (FDP), war leider nicht anwesend. Mehr Emotionen und Empathie hätten dem Vortrag sicherlich nicht geschadet und hätten das Verständnis gefördert.

Mit dem rechten Zeigefinger die aktuelle Zeile fixierend, forderte Frau Krost die Erhebung einer aktuellen bundesweiten Wohnungslosenstatistik.Steigende Mietpreise in den Ballungsräumen würden in den Menschen die Angst auslösen, ihren angestammten Wohnraum nicht mehr bezahlen zu können.

Danach stellte ein Professor Mürel aus Koblenz die (wichtige !) Frage nach der Relevanz der sozialen Arbeit in einer konfessionellen Einrichtung, und warum “wir das überhaupt machen”. Leider gab er auf die Frage keine Antwort, wenigstens war sie unverständlich.

Immer wieder betonte Dr. Mürel die Unverstehbarkeit des Menschen, diagnostizierte den Menschen als ein “bleibendes Mysterium” und konstatierte eine “Geheimnishaftigkeit der Person, unverstehbar”. Daraus schien er die Menschenwürde ableiten zu wollen. Gleichzeitig war es für ihn kein Problem, “die Gesellschaft” als Urheber der Entwürdigung der Menschen zu sehen, und warum Menschen unsichtbar sind und nicht gesehen werden. Er zeichnete das fatalistische Bild des einzelnen Benachteiligten, der sich nicht aus seiner Lage befreien kann, der keine Solidarität in einer Gruppe Gleichgesinnter empfinden kann und folglich auch nicht für seine Würde Verantwortung übernehmen kann. Der einzelne sei immer und überall Opfer der Gesellschaft und ihrer Kräfte, woraus er sich auch nicht befreien könne, indem er sich z. B. mit anderen zusammenschließt. Die Gesellschaft sei es, die den einzelnen definiert. Für ihn war die Wahrnehmung der “Gesellschaft” und ihr Verständnis überhaupt kein Problem, während der Mensch das Mysterium darstellte.

Nach ihm betrat der Professor Ansen die Bühne, seines Zeichens ein Professor für angewandte Sozialwissenschaften. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der sich mit Artikel 1 des Grundgesetzes (Würde des Menschen) begnügen wollte, empfahl Herr Ansen immerhin, die ersten 19 Artikel des Grundgesetzes (binden ab Artikel 2 Legislative, Judikative und Exekutive als unmittelbar geltendes Recht) als Realutopie anzusehen. Für Professor Ansen ist es “zynisch, Menschen Freiheit zuzugestehen, ohne für eine Grundsicherung zu sorgen”. - Wieso Freiheit ohne Grundsicherung zynisch sein soll, vermag ich nicht nachzuvollziehen. Natürlich hat es einen Wert in sich, wenn jedeR seinen Aufenthaltsort frei wählen kann und nicht beliebig in Arbeiterkolonien festgehalten wird. Im Gegensatz zu Professor Mürel, für den der Status Quo benachteiligter Menschen durch nichts anderes als “die Gesellschaft” bewirkt wird,so dass alle Veränderung nur durch Einwirken auf dieses anonyme Ganze erfolgen kann (das für ihn überhaupt kein Rätsel darstellt), sprach Professor Ansen doch immerhin den benachteiligten Menschen die Möglichkeit zu, selbst etwas für sich bewirken zu können und nicht vollständig den Zeitläuften ausgeliefert zu sein. Er war sogar der Meinung, dass die Sozialarbeit Wohnungslose dabei unterstützen kann, die eigene Sache selbst in die Hand zu nehmen. Das ließ aufhorchen.

Dr. Jana Molle, die nächste Vortragende, stach hervor mit ihrer etwas widersprüchlichen Aussage, dass “sozialarbeitspolitisches Handeln keine Politik” sei, dass man politisches Handeln also strikt von Politik trennen solle. Immerhin gestand sie die Möglichkeit zu, dass Wohnungslose “freche” politische Forderungen stellen könnten, die dann aber wohl auch strikt von Politik zu trennen sind. Wieso “Soziale Arbeit...politische Gestaltungsspielräume” hat, ohne Politik zu sein, erschließt sich mir nicht ganz.

Frau Molle befasste sich in ihrem Vortrag mit dem “Advokatorischen Handeln” in der Wohnungslosenhilfe, darüber hinaus betonte sie die Wichtigkeit von “sozialen Diagnosen”, wobei die Sichtweise der Wohnungslosen auf ihre eigene Lage Berücksichtigung finden solle. Hier fehlte dann völlig das Sprichwort, Wohnungslose seien “Experten in eigener Sache”, das man ja sonst an vielen Stellen hört. Stattdessen rückte Frau Dr. Molle SozialarbeiterInnen in die Nähe von Anwälten und Ärzten (“Diagnose”). So gerät die Reputation von SozialarbeiterInnen in die Nähe von hochangesehenen Berufsgruppen. Darüber hinaus können die Wohnungslosen gegen diese soziale “Diagnose” natürlich wenig machen. Das ist dann wie bei den Ärzten: Die schreiben ihren Arztbrief, und das schreiben alle anderen ab. Aber, was wichtig ist, die Frau Dr. Molle wünscht sich, dass alle Wohnungslosen und überhaupt alle Menschen politisch tätig sein und sich politisch artikulieren sollten. Das sehe ich genauso. Insofern ist das Gerede von “Der Politik”, die ganz woanders verortet sein soll und nicht hier und jetzt, eine Selbstbeschneidung.

Last, BUT NOT LEAST kamen Joachim Tein und Lukas Lehmann von HEMPELS e.V. zum Zuge.

Joachim Tein hat in Kiel ein Grundstück gekauft, mit einer heruntergekommenen Immobilie drauf. Er hat dieses Haus mit wenig Geld wiederhergerichtet und vermietet dort Wohnungen an Menschen, die schon sehr lange wohnungslos sind. Er baut dort auch ein neues Haus mit neuen Wohnungen und setzt sich in diesem Zusammenhang intensiv mit der Realität auseinander (z.B. hohe Baukosten durch Bauvorschriften, dadurch hoher Mietpreis für neue Wohnungen). Joachim Tein hilft den Wohnungslosen wirklich, indem er Wohnungen schafft. Für Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt größte Schwierigkeiten haben, an Wohnraum zu kommen.

Joachim Tein und seine MitarbeiterInnen haben bei ihrer Tätigkeit als Vermieter oft mit Menschen zu tun, die Probleme mit der Wohnfähigkeit haben, also eigentlich nicht wohnfähig sind bzw. noch wohnfähig werden müssen. Herr Tein hat davon erzählt, dass der Professor Ansen die Hände über dem Kopf zusammenschlage, wenn er dieses Wort höre, man dürfe das Wort “Wohnfähigkeit” auf keinen Fall benutzen. Aber Joachim Tein sagte, dass er das Wort weiter benutzen werde, solange kein besseres zur Verfügung stehe, um das Problem zu benennen.

Der Professor Ansen konnte diesen Einwurf aus der Praxis aber nicht mehr hören. Er hatte noch vor dem Mittagessen die Fachtagung verlassen.

Markus aus Neumünster

Foto: Foam on the shore of the lake Palokkajärvi, Jyväskylä
Fotograf: Tiia Monto
Quelle: WikiCommons https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Foam_Jyv%C3%A4skyl%C3%A4.jpg:Foam_Jyv%C3%A4skyl%C3%A4.jpg

Offenes Koordinierungstreffen der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen
Montag, 07. Oktober – Donnerstag, 10. Oktober 2019

Feuerwerk - Quelle WikiCommonsGuten Tag,

wir von der Koordinierungsstelle möchten Dich gerne einladen zum Koordinierungstreffen der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen nach Freistatt.

Zielstellung. Auf diesem Koordinierungstreffen geht es darum, das Wohnungslosentreffen 2019 in Herzogsägmühle auszuwerten & daraus Schlußfolgerungen zu ziehen. Die Entwicklung einer Rechtsform, ggf. eine Vereinsgründung, der Aufbau von regionalen Gruppen sowie eine politische Kampagne zur Verbreitung unserer Anliegen sind weitere zentrale Themen.

Arbeitsform. Wir wollen jeden Tag mit einem Plenum starten und Arbeitsgruppen einrichten, die an den vorgeschlagenen Themen in kurzen Zeiteinheiten ergebnisorientiert arbeiten und dazu ein (textliches) Ergebnisdokument vorlegen.

Arbeitsgruppen: Bitte gebe bei Deiner Anmeldung an, in welcher Arbeitsgruppe Du mitarbeiten möchtest. Die Beschreibungend er Arbeitsgruppen findest Du hier.

Vereinsgründung: Gegenwärtig gibt es von einigen die Auffassung, schon jetzt einen gemeinnützigen Verein zu gründen, um zeitnah geschäftsfähig zu werden. Davon unberührt ist die Frage, perspektivisch weitere Rechtsformen zu entwickeln. Der Vorteil einer Vereinsgründung besteht darin, dass damit eine rechtliche Eigenständigkeit und Gemeinnützigkeit hergestellt wird, Spendengelder akquiriert werden und erste eigene Anträge gestellt und abgewickelt werden können. Eine Vereinsgründung kann Identität schaffen. Wenn jetzt ein Verein gegründet wird, ergibt sich daraus die Chance, den Verein zwei Jahre lang gemeinsam weiter zu entwickeln. Die Arbeitsgruppe Rechtsform wird rechtzeitig vor dem Koordinierungstreffen einen Satzungsentwurf vorlegen, am 08.10.2019 am Abend ist das Thema Vereinsgründung auf der Tagesordnung und ein Verein könnte gegründet werden.

Organisatorische Hinweise

Begrenzte Platzzahl. In Freistatt stehen maximal 40 Plätze zur Verfügung. Gehen mehr Anmeldungen ein, als Plätze vorhanden sind, wird eine Nachrückerliste erstellt.

Anmeldung. Per email an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Anmeldeschluss. Mittwoch, 25. September 2019

Anreisetag: Montag, 07. Oktober 2019 ab 12:00 Uhr
Abreise: Donnerstag, 10. Oktober 2019, nach dem Frühstück

Reisekosten: werden erstattet. Wir bitten alle darum, auf eine preisgünstige Anreise- und Abreise zu achten.

Unterkunft: Kostenlos im Seminar- und Gästehaus Wegwende,
Verpflegung: Frühstück und Abendessen im Seminarhaus Wegwende, Mittagessen in der Hauptküche Freistatt
Ernährung: Bitte sage Bescheid, wenn Du Vegetarier, Veganer bist oder wenn Du besondere Kostformen benötigst (Unverträglichkeiten)

Vorgeschlagene Tagesordnung

Montag, 07. Oktober 2019

12:00 – 18:00 Uhr Anreise
18:00 – 19:00 Uhr Abendessen Wegwende
19:00 – 21:00 Uhr Plenum

  • Eröffnung
  • Organisatorisches
  • World-Café Auswertung Wohnungslosentreffen 2019 in Herzogsägmühle

21:00 – 21:30 Uhr Tagesprotokoll

Dienstag, 08. Oktober 2019

08:00 – 09:00 Uhr Frühstück Wegwende

09:00 – 09:30 Uhr Aufteilung in Arbeitsgruppen:

  • AG Verbesserung der Programmstruktur des Wohnungslosentreffens
  • AG Regionalgruppen & Kommunikation
  • AG Gremienarbeit
  • AG Social Media
  • AG Politische Kampagne

09:30 – 11:30 Uhr Arbeit in Arbeitsgruppen

12:00 – 14:00 Uhr Mittagessen in der Hauptküche & Mittagspause
ab 13:00 Uhr Reisekostenerstattung

14:00 – 15:15 Uhr Ergebnispräsentation der Arbeitsgruppen & Verabredungen zur Weiterarbeit
15:15 – 15:45 Uhr Kaffeepause
15:45 – 17:00 Uhr Weiterarbeit in Arbeitsgruppen
17:15 – 18:00 Uhr Ergebnispräsentation der Arbeitsgruppen & Verabredungen zur Weiterarbeit

18:00 – 19:00 Uhr Abendessen

19:00 – 21:00 Uhr Plenum: Vereinsgründung

  • Vorstellung der Satzung
  • Diskussion & Entscheidung
  • ggf. Gründung
  • ggf. Wahlen
  • sonstiges

21:00 - 22:00 Uhr Gemeinsames Tagesprotokoll

Mittwoch, 09. Oktober 2019

08:00 – 09:00 Uhr Frühstück Wegwende

09:00 – 09:30 Uhr Plenum
09:30 – 11:30 Uhr Weiterarbeit in Arbeitsgruppen

12:00 – 14:00 Uhr Mittagessen in der Hauptküche & Mittagspause

14:00 – 15:15 Uhr Ergebnispräsentation der Arbeitsgruppen & Verabredungen zur Weiterarbeit
15:15 – 15:45 Uhr Kaffeepause
15:45 – 17:00 Uhr Plenum: Vereinbarungen, Aufträge & Zeitplan
17:15 – 18:00 Uhr Termine, sonstiges

18:00 – 19:00 Uhr Abendessen

19:00 – 21:00 Uhr Plenum: Gemeinsames Ergebnisprotokoll

Donnerstag, 10. Oktober 2019

08:00 – 09:00 Uhr Frühstück Wegwende

ab 09:00 Uhr

  • Zimmer aufräumen,
  • Schlüssel & Essenskarte abgeben
  • Reisekostenerstattung
  • Tschüss sagen
  • Abreise

Aufgabenbeschreibung der Arbeitsgruppen

AG Verbesserung der Programmstruktur des Wohnungslosentreffens

Bitte wertet den Aufbau des Wohnungslosentreffens 2019 aus und überlegt für das nächste Wohnungslosentreffen, welche Strukturen beibehalten werden sollen und was in welcher Weise geändert werden müsste.
Das betrifft zum Beispiel Pausenzeiten, Programmaufbau, Verhältnis von Plenum, Arbeitsgruppen und Freizeit.
Bitte erarbeitet konkrete Vorschläge

AG Regionalgruppen & Kommunikation

1. Bitte informiert Euch gegenseitig über den Stand der Bildung von Regionalgruppen und der weiteren Überlegungen und Planungen (gemeinsamer Informationsstand)
2. Bitte bildet Untergruppen für die einzelnen Regionen
3. Bitte fasst zusammen, was in den Untergruppen erarbeitet worden ist.
4. Bitte macht eine Aufstellung, was jede Gruppe (an Unterstützung) benötigt
5. Bitte überlegt, wie die Aktivitäten der Gruppe – z.B. im Internet - sichtbar werden können
6. Bitte fasst das Gesamtergebnis zusammen

AG Gremienarbeit

Bitte analysiert, ob und wie die Selbstvertretung in politischen Gremien aktiv sein soll z.B.

  • Nationale Armutskonferenz, Landesarmutskonferenzen
  • AK 67 des Deutschen Vereins
  • Gremien Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. (BAG W)
  • Gremien Evangelischer Fachverband Wohnungslosenhilfe (EBET)
  •  ….

Bitte legt dar, welche Vorteile und welche Nachteile damit verbunden ist
Bitte überlegt, ob die Selbstvertretung das für ihre Arbeit benötigt

AG SOCIAL MEDIA

  • Einrichtung und Wiederbelebung des Forums
  • Einrichtung eines offiziellen Facebook Accounts
  • weitere Schwerpunkte

AG Politische Kampagne

Die Selbstvertretung hat eine Reihe von Forderungen erarbeitet. Es kommt aber darauf an, diese Forderungen überall bekannt zu machen. Das passiert nicht von alleine, dazu könnte eine Kampagne – gerade im Winter, wo Obdachlosigkeit ein Thema ist – eine gute Aktionsform sein. Denn: gemeinsame Aktivitäten bzw. Aktionen halten und bringen die Menschen der Selbstvertretung zusammen.

Bitte überlegt, wie die Selbstvertretung ihre zentralen Forderungen – z.B. Recht auf Wohnung – (siehe 5-Punkte-Programm) in Form einer Kampagne bekannt machen kann.

  • Was könnte der zentrale Slogan, die zentrale Forderung sein?
  • Wie könnte die Kampagne umgesetzt werden?
  • Wie kann sicher gestellt werden, dass alle mitmachen können?
  • Brauchen wir ein Kampagnen – Training und was muss darin passieren?
  • Bitte entwickelt Vorschläge für eine Kampagne mit Ablauf- und Zeitplan.

Dokumentation Arbeitswoche 02.-06. September 2019 – Koordinierungsstelle der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen

Anwesend

Dirk (Freistatt), Jürgen (Armutsnetzwerk), Karsten (Mainz), Lutz (Herzogsägmühle), Olaf (Freistatt), Stefan (Berlin), zeitweise: Jens (Freistatt), Janine (Freistatt), Frank (Freistatt), Marcus (Radio)

Montag vormittag

Themensammlung:Was wollen wir besprechen, Was ist zu tun? Grobplanung der Woche.

Montag nachmittag

Konzeption. Wir sprachen das Konzept der Koordinierungsstelle (Anlage) durch und werteten aus, was davon bereits umgesetzt ist und was noch nicht umgesetzt ist.
Ergebnis: Alles, was in dem Konzept angesprochen ist, wird umgesetzt. Die geplante Team-Stärke ist bisher noch nicht erreicht. Das bestehende Team ist mit den abzuarbeitenden Aufgaben mehr als gut ausgelastet und Verstärkung (Vergrößerung des Teams) wird benötigt.

Dienstag vormittag

Veranstaltungsplanung. Im Einzelnen besprachen wir folgende Veranstaltungen:

  • Fachtag 22.10.2019 Lüneburg (Anfrage Workshop – soll durchgeführt werden von Hanne-Lore und Uwe mit Unterstützung durch Hasso und Koordinierungsstelle)
  • Landesarmutskonferenz Niedersachsen (LAK NDS) 04.11.2019, Hannover: Alternativer Wohngipfel für Niedersachsen (Anfrage Podiumsdiskussion – wir fragen 2 Teilnehmende an und Jürgen (ANW) und Teilnehmende aus Gifhorn nehmen daran teil.
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) - Bundestagung im 11.-13.11.2019, Berlin. Fragen der Übernahme oder Erlass der Teilnahmegebühr und Finanzierung der Reisekosten sowie Unterkunft sind noch ungeklärt. Deshalb verabreden, zunächst nur die Tagungsinformation zu verbreiten und alle weiteren Fragen im Einzelnen zu klären.
  • Weitere Termine sind auf der Homepage unter www.wohnungslosentreffen.de/termine.html zu finden.

Dienstag nachmittag

Planung des Koordinierungstreffens 07.-10.10.2019, Freistatt.

Grundsätze: Eine andere Programmstruktur soll entstehen. Geplant werden kurze Abstimmungen im Plenum (Organisatorisches und Aufteilung in Arbeitsgruppen). Schwerpunktmäßig soll in ergebnisorientierten Arbeitsgruppen gearbeitet werden. Wir planen kurze Zeiteinheiten und genügend Pausen. Am Ende der Arbeitsgruppen werden die Ergebnisse vorgestellt und danach weiter beraten, ob und wie die Arbeitsgruppen fortgesetzt werden sollen. Die Auswertung des Wohnungslosentreffen 2019 in Herzogsägmühle soll am Anreiseabend zwischen 19:30 und 21:00 Uhr in Form eines World-Cafés erfolgen (5 Thementische mit Einzelfragen, jeweils 10 Minuten mit Stichworten auf den Tisch schreiben).
Die Tagesergebnisse werden wir täglich abends festhalten, damit am letzten Tag des Ergebnisprotokoll einfacher zusammengestellt werden kann. Am Ende des Koordinierungstreffens möchten wir im Plenum verbindliche Verabredungen, Zeitpläne und konkrete Zuständigkeiten festlegen.

Mittwoch vormittag

Wir besprachen organisatorische Fragen zum Koordinierungstreffen: Zeiten der An- und Abreise, Anzahl der Betten, Zuständigkeiten, Einladungstext (Entwurf), die Vorplanung der Arbeitsgruppen, Anmeldung und Fristen, Rückmeldung über die Arbeitsgruppen usw.
Die Ergebnisse sind in der Einladung festgehalten.

Mittwoch nachmittag

Social Media.Wir listeten die uns bekannten Medien auf und markierten, welche wir aktiv nutzen und wie wir das bewerten. Die folgende Debatte kreiste um Facebook und das Forum.
Facebook. Wir stellten fest, dass es keinen offiziellen Facebook-Account der Selbstvertretung gibt. Das könnte geändert werden, dabei ist auch zu entscheiden, ob es eine Kommentar-Funktion geben soll (viel Arbeitsaufwand zur Moderation) oder nicht.
Für die Einrichtung offizieller Accounts ist eine eigenständige Rechtsform hilfreich.

Forum. Lutz und Jens arbeiten als Administratoren daran, das bereits eingerichtete Forum (forum.wohnungslosentreffen.de) wieder zu beleben. Wir versprechen uns davon unter anderem

  • eine bessere Vernetzung der Aktiven,
  • einen besseren Austausch von Informationen
  • als Plattform für die interne Kommunikation
  • um an Ideen und Projekten teilzunehmen und diese weiter zu entwickeln
  • für Fragen
  • zum Hochladen und Austauschen von internen Fotos, Texten und anderen Dokumenten
  • zur Dokumentation bis bisherigen Arbeit

Mit dem Forum können wir eine neue Qualität der Kommunikation erreichen. Die Kommunikation ist unabhängig von Einzelpersonen (z.B. Koordinator) und kann jederzeit von allen mitgestaltet und nachverfolgt werden.
Das Forum wird moderiert und für Teilgruppen werden weitere Moderatoren aus der Selbstvertretung eingesetzt. Eine Anmeldung soll nur mit Klarnamen möglich sein.

Donnerstag vormittag

Kampagnen.
Die Selbstvertretung hat eine Reihe von Forderungen erarbeitet. Es kommt aber darauf an, diese Forderungen überall bekannt zu machen. Das passiert nicht von alleine, dazu könnte eine Kampagne – gerade im Winter, wo Obdachlosigkeit ein Thema ist – eine gute Aktionsform sein. Denn: gemeinsame Aktivitäten bzw. Aktionen halten und bringen die Menschen der Selbstvertretung zusammen.
Bei den Kampagnen kommt es darauf an, daß alle mitmachen können.
Schlagworte von Kampagnen könnten z.B. sein:

  • Ein Schlafsack ist keine Wohnung (#recht auf wohnung)
  • Gewalt gegenüber Obdachlose

Eine Kampagne benötigt

  • eine Planung
  • Material, das verteilt bzw. von allen verwendet werden kann
  • ein variable Umsetzung und
  • ggf. ein Kampagnen-Training.

Näheres soll die Arbeitsgruppe auf dem Koordinierungstreffen erarbeiten.

Donnerstag nachmittag

Kommunikation
Wir haben festgestellt, dass eine interne Kommunikation der Selbstvertretung stattfindet und daß diese sehr vielfältig und unterschiedlich ist. Das Netzwerk der Selbstvertretung nutzt alle Möglichkeiten der zur Verfügung stehenden Kommunikation.
Es ist nicht möglich, sich auf ein Medium zu einigen. Teilweise sind die technischen Voraussetzungen nicht vorhanden oder Kompetenzen nicht gegeben.
Wir glauben, dass das Forum dazu beitragen kann, dass die Kommunikation unabhängig wird von Einzelpersonen (z.B. durch Krankheit, Urlaub oder Ausfall)

Kommunikation mit der Koordinierungsstelle
Um zu vermeiden, dass Anliegen liegen bleiben, weil eine persönliche Email aus Gründen (z.B. durch Krankheit, Urlaub oder Ausfall) nicht bearbeitet werden kann, haben wir Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! als gemeinsame Emailadresse eingerichtet, die von allen Mitarbeitenden der Koordinierungsstelle bearbeitet werden kann. Damit soll sichergestellt sein, daß nichts verloren geht und auf alles reagiert werden kann.

Koordinierungstreffen
Fertigstellung der Einladung und des Programms des Koordinierungstreffens (siehe Einladung)

Vereinsgründung/Rechtsform
Die Diskussion hat ergeben: Gegenwärtig gibt es von einigen die Auffassung, schon jetzt einen gemeinnützigen Verein zu gründen, um zeitnah geschäftsfähig zu werden. Davon unberührt ist die Frage, perspektivisch weitere Rechtsformen zu entwickeln. Der Vorteil einer Vereinsgründung besteht darin, dass

  • damit eine rechtliche Eigenständigkeit und Gemeinnützigkeit hergestellt wird,
  • Spendengelder akquiriert werden,
  • erste eigene Anträge gestellt und abgewickelt werden können sowie
  • Mitgliedschaften in anderen Institutionen beantragt werden können.

Eine Vereinsgründung kann Identität schaffen. Wenn jetzt ein Verein gegründet wird, ergibt sich daraus die Chance, den Verein zwei Jahre lang gemeinsam weiter zu entwickeln.

Deshalb wurde verabredet, dass am Dienstag, den 24.09.2019 von 10:00 – 16:00 Uhr im Seminar- und Gästehaus Wegwende ein Treffen der AG Rechtsform stattfinden wird. Neben den bekannten Teilnehmenden der AG werden Uwe (Lüneburg) und Roderich (Berlin) dazu geladen. Die AG soll den im März 2018 erarbeiteten Satzungsentwurf prüfen und überarbeiten.
Der so erstellte Satzungsentwurf wird unmittelbar danach bekannt gemacht.
Auf dem Koordinierungstreffen sollen am Dienstag, den 08.10.2019 zwischen 19:00 und 21:00 Uhr auf dem Plenum anhand des Satzungsentwurf die Vereinsgründung besprochen werden und ggf. eine Vereinsgründung erfolgen.

Freitag vormittag

Erstellung des gemeinsamen Ergebnisprotokolls.

Die nächste Arbeitswoche der Koordinierungsstelle ist für Montag, 02.12. bis Freitag, 06.12.2019 in Freistatt vorgesehen.

Freistatt, 06.09.2019

gez. Stefan Schneider und andere

Am Bahnhof Griebnitzsee in Potsdam. Als Ersten treffe ich Stefan. Wir laufen auf dem Campus eine Weile in die falsche Richtung. Stefan fragt zwei Studenten nach dem Weg;

„Wir suchen das Haus D. Wie`doof`. Oder` Dora`.“ – „Oder wie `Da müssen Sie noch eine ganze Weile laufen.`“ erwidert der Student trocken. Ich muss lachen. Dann beschreibt er den Weg.

Kaum haben wir uns umgedreht, treffen wir auf Luise Turowski (Geschäftsführung Bethel, sie hat vermittelt), die sich gerade das Gelände von einem Bekannten zeigen lässt, welcher dort studiert. Minuten später tätigt sie einen Anruf und es stellt sich heraus, dass Frank und Janine sich am meisten verlaufen haben.

Wir gehen in die uns angegebene Richtung. Auf Höhe des Bahnhofs großes Hallo; Hanne-Lore, Uwe,  Volker und Arco sind auch angekommen. Sie sind mit dem Auto aus Lüneburg gekommen und haben am Vorabend viel spekuliert, wie das Treffen wohl wird und wie die Studierenden so sind.

Kurz vor der verabredeten Zeit befinden wir uns an der Rückseite des Hauses „D“, durch die großen Fenster können wir schon erkennen, dass in diesem Haus kreativ gearbeitet wird. Wir finden einen Durchgang, jetzt aber schnell. Wir müssen ins zweite Stockwerk. Dort warten sie schon an der Tür und begrüßen uns herzlich. Sie haben eine kleine Tafel mit liebevoll kleingeschnittenem Obst, Kaffee, Kuchen und Saft vorbereitet. Alle schütteln einander die Hände und stellen sich vor, die Vorfreude ist gegenseitig.

Michael und Jürgen sind auch schon da. Statt in einen Stuhlkreis setzen wir uns auf drei rote Ledersofas mit Rollen unten dran und würfelförmige gepolsterte Sitzgelegenheiten.

Zudem steht im Kreis auch ein Barhocker mit einem aufgeklappten Laptop darauf. An der Seite klebt ein Zettel mit dem Namen “ Clemens“. Die Studierenden stellen ihn vor, er kann aus terminlichen Gründen nur per Skype teilnehmen.

Mein Auge fällt auf eine weiße Tafel, an der mit Magneten einige liebevoll gestaltete Papierausschnitte befestigt sind. Das Logo von Bethel, auch die Frage „wer sind wir“(s. Fotos). Die Dozentin, Claudia Nikolai, macht den Vorschlag, uns erst einmal reihum vorzustellen.
Frau Turowski und Frank erzählen vom letzten erfolgreichen gemeinsamen Projekt, bei dem sie die Erfahrung machten, dass das Endergebnis ein verblüffend anderes war, als sie erwartet hatten. Das weckt das Interesse, die Neugierde, die Begeisterung  noch mehr.
Wir halten uns alle relativ kurz bei der Vorstellung. Teilweise kommen die Studierenden aus anderen Ländern (Iran, USA, Frankreich). Sie sprechen sehr gut Deutsch. Sie erzählen, dass sie neben der „D-School“ (D wie Design Thinking) noch verschiedensten anderen Tätigkeiten nachgehen, teilweise einen weiteren Studiengang absolvieren.

Den Auftrag vom Projekt „Wohnungslosentreffen Freistatt“ nennen sie eine Challenge (engl. für Herausforderung). Zweimal die Woche treffen sie sich hier für acht Stunden, arbeiten in 8 Teams mit je 5 Teilnehmern, die je noch Unterstützung von zwei Coaches bekommen. In den Teams sollen Gestaltungsideen entwickelt und Meinungen eingeholt werden. Es gibt aber auch regelmäßig Treffen mit allen. Wir fragen nach der Hierarchie in den Teams und bekommen zur Antwort, dass es da keine festgelegte Struktur gibt, es sei ein Miteinander, die Coaches haben mehr Erfahrung, dennoch gebe es keine spürbare Hierarchie, auch „Ideenklau“  sei okay, das mache auch die Teamarbeit aus; „Bau auf den Ideen anderer auf.“  Die Ideenfindung sei ein Prozess, der sich zum einen an der Ergebnisoffenheit vor allem aber am Menschen orientiere. Die Rahmengestaltung solle bedürfnisorientiert sein.

Laurenne aus Frankreich stellt im Verlauf die Frage, wer eigentlich „Wir“ ist und lenkt damit die Unterhaltung auf Wohnungslosigkeit im Allgemeinen und im  Besonderen. Jürgen und Michael vertreten das Armutsnetzwerk, erzählen von der internationalen Zusammenarbeit und Jürgen betont, dass es gar keine Grenzen geben sollte, es sollte nicht nur europaweit sondern weltweit vernetzt werden.

Wir erzählen von den Erfahrungen und Veränderungen, die bei uns durch den Aufenthalt im Sommercamp 2016 und den Willen zum Engagement im Projekt „Wohnungslosentreffen Freistatt“ entstanden sind. Uwe erzählt, wie er dank Freistatt aufgehört hat zu trinken. Volker erzählt von seinem geplanten Trommelworkshop im Sommer beim Wohnungslosentreffen. In der Runde gibt es viele Menschen, die sich wünschen, anderen Menschen helfen zu können. Die Begeisterung ist spürbar.

Robin demonstriert anhand der Tafel, wie das kreative Arbeiten von statten gehen kann. Er verschiebt die einzelnen Papierzuschnitte, befestigt sie mit den Magneten, nimmt sich einen Stift, macht Pfeile, schreibt etwas dazu. Wir helfen mit und greifen die aufgeschriebenen / ausgeschnittenen Schlagworte auf.
Dann erfahren wir, dass es am Hasso Plattner Institut bereits ein anderes Projekt zum Thema Wohnungslosigkeit gibt. Spontan verabreden wir einen Termin für eine Exkursion, ein Treffen in Berlin, wo wir uns in die Straßenszene begeben wollen. Stefan lädt die  Studierenden außerdem auf einen Besuch nach Freistatt ein.

Am 27.07.2017 ist offiziell Projektende, das ist genau in der Woche des Wohnungslosentreffens. Es wird auf eine Präsentation auf Deutsch(vor der Institutsinternen, die auf Englisch gehalten wird) hingearbeitet, die wir in Freistatt  vorgestellt bekommen.

Nach zweieinhalb Stunden sind alle voll von Input. Wir beenden die offizielle Veranstaltung und unterhalten uns noch ein wenig in kleineren Grüppchen. Es war eine konzentrierte, hochspannende und begeisternde Veranstaltung. Die Studierenden sind offen und freundlich und das Projekt „Wer sind wir?“ wird sicherlich hilfreich für das Weiterkommen des Projektes „Wohnungslosentreffen Freistatt“ sein.

Aufgeschrieben von Janina (Hannover)

2019 kongress bpb hamburg2Auf die Straße gehen seit Monaten in Frankreich die Gelbwesten, auch weil sie sich in Ballungsräumen die hohen Mieten nicht mehr leisten können und pendeln müssen. Auf die Straße gehen seit Monaten Jugendliche auf der ganzen Welt, um für ein gesünderes Klima zu demonstrieren, ergänzend auf die Hambacher Bäume gehen oder klettern die besonders Eifrigen. Auf die Straße gehen anläßlich der G20 Treffs in Hamburg Kritiker und das mit lautem Getöse.

"Auf die Straße" heißt die Fachtagung im Radisson Blue Hotel Hamburg, die die Bundeszentrale für Politische Bildung für Interessierte, Aktive und Intellektuelle aus ganz Deutschland sowie für die Selbstvertretung Wohnungsloser Menschen veranstaltet, und der Präsident begrüßt die hunderte von Teilnehmer*innen am Montagmorgen zur vermutlich größten Fachtagung seit dem Zweiten Weltkrieg.

Auf die Geschichte von Protesten und deren Erfolgskriterien und Abhängigkeiten gingen die anschließenden Dozenten ein, die ein Bild der Berliner 1968er Proteste mit Rudi Dutschke zeigten, wo der erstaunte Fachtagungsbesucher vielleicht erstmals die Umstände des Fotografen sah, die deutlich machten, dass das klassische Großdemogruppenfoto tatsächlich ein Häuflein linker Studis waren.

2019 kongress bpb hamburgIn den Paneldiskussionen an diesem und am Folgetag wurden nach Impulsreferaten hochkarätiger Dozenten und Aktivisten aus ganz Deutschland all jene Themen durchdiskutiert. Für die Selbstvertretung wohnungsloser Menschen. war besonders ein Modul mit Dr. Lisa Vollmer und der Berliner Schriftstellerin , in der diese die Wohnproblematik erst ausführlich aus historischer Sicht insbesondere in Berlin und Frankfurt darstellten und dann aktuelle Besetzungen und Initiativen vorstellten.

Weitere Module beschäftigten sich mit den Wirkungsfaktoren von Protesten oder auch damit, wie aus Protest-Szenen Milieus werden; hier wurde u.a. die Sinus-Milieustudie verwendet, die an das klassische soziologische Schichtenmodell anschließt und die Unter-, Mittel- und Unterschichten in verschiedene Milieus differenziert.

Ein Dankeschön an den Präsidenten der Bundeszentrale, der der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen den Gesamtbesuch umfassend ermöglicht hat. Speise und Getränke waren sehr gehobenes Niveau ;)

Markus (Frankfurt); Fotos: Hasso (Hannover)

München, 28.06.2019

Die Selbstvertretung wohnungsloser Menschen veranstaltet in Herzogsägmühle, Bayern vom Sonntag, 21. Juli - Sonntag 28. Juli 2019 ein Wohnungslosentreffen, zu dem mehr als 100 wohnungslose und ehemals wohnungslose Menschen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und einigen Regionen Europas erwartet werden.

Wer ist die Selbstvertretung wohnungsloser Menschen? Darüber gibt das Leitbild Auskunft:

Wir sind die Plattform der Selbstvertretung wohnungsloser und ehemals wohnungsloser Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben. Wir engagieren uns für eine bessere Welt, die Überwindung von Armut, Ausgrenzung, Missbrauch, Entrechtung und Wohnungslosigkeit sowie für die Verbesserung konkreter Lebenssituationen:

Alles verändert sich, wenn wir es verändern!

Wir sind unterschiedlich und vielfältig. Wir sind Gruppen, Vereine, Einzelpersonen, Projekte, Initiativen, Unterstützende und Gleichgesinnte. Wir vernetzen uns und arbeiten auf Basis selbstbestimmter Regeln zusammen.

Das Wohnungslosentreffen ist ein Portal zur Vernetzung von wohnungslosen und ehemals wohnungslosen Menschen für Selbstvertretung und Mitbestimmung.

Es wird bei Koordinierungstreffen von ca. 30 – 35 Menschen, die sich zwei- bis dreimal im Jahr treffen, vorbereitet. Dieser Kreis lädt nach Absprache mit dem Organisationsteam selbstständig Referenten ein die zu den vielfältigen Themen Informationen und Anregungen geben können.

Für das einwöchige Treffen wird ein umfangreiches Programm von den wohnungslosen Menschen erstellt. Es werden Workshops zu verschiedenen Themen angeboten, in denen wir in ungezwungener Atmosphäre uns austauschen und nach Lösungen suchen können. Auch Unterhaltung kommt nicht zu kurz. In den letzen 3 Jahren wurden verschiedene Musikgruppen eingeladen, wir haben selbst Musik gemacht, getrommelt, Theater gespielt und vieles mehr.

Schwerpunkte des diesjährigen Treffens werden sein: Die Weiterarbeit am 5-Punkte-Programm. Zu Beginn der Woche werden Arbeitsgruppen gebildet, deren Ergebnisse am Ende der Woche vorgestellt, ausgewertet, verabschiedet und am Freitag um 11:00 Uhr der Öffentlichkeit auf einer Pressekonferenz vorgestellt werden. Weitere inhaltliche Schwerpunkte sind der Aufbau von regionalen Gruppen, die Sichtung möglicher Rechtsformen sowie Austausch, Vernetzung und die Planung gemeinsamer Aktionen.

Mit den Wohnungslosentreffen und der Selbstvertretung wollen wir erreichen: wohnungslose Menschen können mit eigener Stimme sprechen. Das heißt mit uns, anstatt über uns reden. Es geht auch darum, seine Bürgerrechte wahrzunehmen.

Das Wohnungslosentreffen 2019 ist das insgesamt vierte Treffen, das erstmalig in Herzogsägmühle, Bayern stattfinden wird. Das Treffen findet in Kooperation mit dem Fachbereich Menschen in besonderen Lebenslagen/ Wohnungslosenhilfe statt. Herzogsägmühle ist ein Diakoniedorf in Oberbayern, gelegen zwischen Schongau und Peiting, südwestlich von München und südlich von Augsburg. Das Wohnungslosentreffen ist als Zeltlager organisiert, Herzogsägmühle stellt seine Veranstaltungs- und Seminarräume sowie die Infrastruktur zur Verfügung.

Die folgenden Wohnungslosentreffen finden Ende Juli 2020 voraussichtlich in Bielefeld, Nordrhein-Westfalen und Ende Juli 2021 im Land Brandenburg statt.

Wir wohnungslosen und ehemals wohnungslosen Menschen haben nicht die finanziellen Mittel, um solche Treffen durchzuführen. Wir möchten uns bei folgenden Unterstützern bedanken:

• Stiftung Bethel/ Wohnungslosenhilfe Freistatt für die Organisation und Koordination und die finanzielle Unterstützung der Selbstvertretung,
• Herzogsägmühle/ Fachbereich Menschen in besonderen Lebenslagen / Wohnungslosenhilfe für Ausrichtung des diesjährigen Treffens
• Land Niedersachsen für die Finanzierung der Koordinierungsstelle
• Aktion Mensch für die Finanzierung der Wohnungslosentreffen
• Diakonische Werk Bayern für den Zuschuss für das diesjährige Treffen in Herzogsägmühle

 

Wohnungslose und ehemals wohnungslose Menschen fordern:
• das Recht auf Wohnung im Grundgesetz zu verankern und unabhängigdavon sofortige Maßnahmen für einen sozialen Wohnungsbau unter Beteiligung wohnungsloser Menschen in Planung und Umsetzung auf allen Ebenen (Bund, Länder, Kommunen) einzuleiten.

• die massive Verstärkung von Sofortmaßnahmen für Menschen, die auf der Straße leben. Die Hilfen müssen unmittelbar zur Verfügung stehen: Dazu gehören eine medizinische Versorgung, Geld statt Almosen, menschenwürdige Unterkünfte und, falls gewünscht, professionelle soziale Unterstützung sowie die zeitnahe Versorgung mit bezahlbarem eigenen Wohnungen.

• eine nachhaltige Förderung der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen. Wir engagieren uns füreinander und miteinander.

Text siehe www.wohnungslosentreffen.de

Selbstvertretung wohnungsloser Menschen
- Koordinierungsstelle -
Deckerstr. 20
27259 Freistatt
www.wohnungslosentreffen.de

Ansprechpartner bei Rückfragen:
Stefan Schneider, +49 – 177 - 7847337
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Ein Bericht von Corinna (Pforzheim)

Der diesjährige 37. Ev. Kirchentag stand unter dem Slogan „Was für ein Vertrauen“ (2. Könige, 18, 19). Diese Losung wurde vom Veranstalter bewusst ausgewählt. Auf so vielen Ebenen scheint Vertrauen verloren zu gehen, wird bewusst missbraucht oder ist erschüttert. Vertraute Regelwerke und bisher vertrauensvolle Institutionen und Systeme sind in Frage gestellt, die Zukunft wirkt unübersichtlich. Was sollen wir tun, wie sollen wir uns verhalten, wie können wir die Welt aktiv mitgestalten und nicht nur reagieren oder Schwieriges ausblenden?

2019 06 22 uwe eger besucherin foto portmannWas für ein Vertrauen – fehlt da nicht ein Ausrufezeichen, ein Fragezeichen? Bereits die biblische Geschichte aus dem 2. Königebuch hält die Ambivalenz von Vertrauen offen. Es ist eine Kriegsgeschichte ohne einfache Lösung. König Hiskia kann eigentlich nur verlieren, sein Gegner ist in der Übermacht, seine Koalitionspartner selbstbezogen oder schwach, sein Volk weiß nicht mehr was es glauben soll. Doch eines ist gewiss: Gott ist treu und weist den Weg. Daran hält er fest und dies verändert alles.

Stefan (Berlin), Jürgen (ofw), Karsten (Mainz), Dirk (Freistatt), Uwe (Lüneburg) mit Hund Arco, Thomas (Diepholz), Markus (Frankfurt), Ilse (Köln), Corinna (Pforzheim) und Roberto (Darmstadt) trafen sich am 19. Juni 2019 im Hostel Bola, ihrem Standort, in Bochum. Von dort fuhren wir gemeinsam an den folgenden 3 Tagen zum 37. Ev. Kirchentag nach Dortmund wo wir von unseren Tagesgästen Marcus (Hannover) und Burkhard (Hannover) unterstützt wurden. In den Messehallen durften wir als Gast am Stand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe einen kleinen Tisch mit Infomaterial betreuen. Für Hund Arco wurde eine kleine Ecke hergerichtet. Wir benötigten für ihn eine Erlaubnis um ihn mit in die Halle mitzunehmen. Denn Hunde dürfen sonst nicht in die Westfalenhalle.

Der 1. Tag 20.06.19 (Fronleichnam)

Nachdem wir unseren Stand um 11 h aufgebaut hatten, bekamen wir die Gelegenheit uns kurz in der Halle umschauen zu dürfen.

2019 06 22 selbstvertretung goering eckardt gespraech foto buergenerUm 14 h kam Kathrin Göring-Eckart (Die Grüne) zu einem 30 minütigen Gespräch an unseren Stand. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde versuchten wir über die verschiedenen Probleme, welche Wohnungslose betrifft, zu reden. In erster Linie waren es Themen wie z. B. Wohnungsbau, überhöhte Mieten und Kältehilfe. Auf Grund des hohen Lärmpegels in der Halle schlägt Jürgen nach 20 Minuten vor, dass wir das Gespräch abbrechen und - in Absprache mit dem Referenten von Kathrin - einen neuen Termin ausmachen

In den Einrichtungen ist zum Teil nach 19 h bereits Schluss, weil die Tagesstätten schließen. Hier stellt sich die Frage: Wo können Menschen duschen, Wäsche waschen, essen und andere elementare Bedürfnisse befriedigen, die für unsere Gesellschaft mit einer Wohnung selbstverständlich sind. Wo verbringen die Menschen ihre Nacht? Vor allem im Winter ist diese Frage überlebenswichtig – denn bei Minusgraden gibt es so manchen Kältetoten, wenn es keinen geschützten Raum gibt. Wie können Wohnungs- und Obdachlose ihren Tag verbringen? Gibt es irgendwelche Angebote die im öffentlichen Raum genutzt werden können? An Sonn- und Feiertagen sind die Tagesstätten und Einrichtungen generell zu. Wo können an diesen Tagen unsere Wohnungslosen hingehen um zum Beispiel essen zu bekommen oder ähnliches.

2019 06 22 selbstvertretung goering eckardt foto buergenerEs kam auch die Frage des Umzugs in eine eigenständige Wohnung auf. Wer ist hier zuständig? Wer hilft beim Umzug?

Beim Thema Wohnungsbau, überteuerte Mieten und Wohnungsleerstand stellt sich die Frage: „Warum bringt es die Politik nicht hin unterstützende Container für Menschen auf der Straße zur Verfügung zu stellen? Vor allem im Winter sollten Container zur Verfügung gestellt werden. Aber wir wollen nicht nur während der Kältehilfe (vom 01. November – 31. März) ein „Dach über dem Kopf“ haben, sondern ganzjährig. Sind wir Menschen 3. Klasse? Warum grenzen Vermieter wohnungslose Menschen bei der Wohnungssuche aus? Hier sind Politik und Wohnungsbau gefordert. Sie sollten mehr sozialen Wohnungsbau aktiv betreiben für Menschen die sich keine Wohnung mehr leisten können und Wohnungen bzw. Grundstücksfläche nicht nur als Spekulationsobjekt betrachten, welches gewinnbringend veräußert werden kann.

Um 17 h hatten wir ein weiteres Highlight. Wir durften uns auf der Hallenbühne kurz vorstellen und hatten einen aktiven Austausch mit den Besuchern. Sie wollten vor allem wissen, welche Stärken eine wohnungslose Person besitzen muss um auf der Straße zu überleben. Weitere Fragen wurden zum Sommercamp gestellt. Hier ging es in erster Linie darum, wer bereitet es vor, wo findet es statt, was wird angeboten. Wie wird es finanziert?

Die Besucher waren beeindruckt und nahmen etwas mit, vor allem weil wir darauf aufmerksam machten dass es bei der angespannten Wohnungsmarktlage heutzutage jeden treffen kann wohnungslos zu werden.

20190620 Haus Bola KirchentagAm Abend des 1. Kirchentages kamen unsere 3 Studenten von der Evangelischen Hochschule Bochum Felicitas, Valeria und Michaela zusammen mit Prof. Benjamin Benz in unser Hostel und luden uns zum Grillen ein. Nachdem wir alle satt waren, stellten sie uns Fragen die sie für eine Forschungsarbeit zum Thema Wohnungslosigkeit benutzen wollen. „Warum bist du in der Selbstvertretung? Welche Stärken hast Du und kannst Du sie in der Selbstvertretung einbringen? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es? Warum nehmen Wohnungslose an der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen nicht teil?“

Der 2. Tag (21.06.19)

2019 06 Kirchentag Dortmund LoheideAm 21.06. gab es morgens zwischen uns und Maria Loheide von der Diakonie Deutschland ein weiteres Gespräch. Daran nahmen teil: Corinna (Pforzheim), Ilse (Köln), Markus (Frankfurt), Dirk (Freistatt), Maria Loheide, Marcus (Hannover) Thomas (Diepholz), Karsten (Mainz), Heike Moerland (Diakonie R-W-L), Jürgen (ofw), Stefan (Berlin)

Auch bei diesem Gespräch ging es in erster Linie um die überteuerten Mieten, sozialen Wohnungsbau und den angespannten Wohnungsmarkt der Wohnungsmarkt im jetzigen Zustand eine absolute Katastrophe ist. Es besteht dringender Handlungs- und Änderungsbedarf.

Am Beispiel Berlin, Köln und Frankfurt stellten wir das Problem Housing first dar. Es gibt nicht genügend Wohnungen, weil die Vermieter ihre Wohnungen vielfach als Spekulationsobjekt sehen und nicht an Bedürftige vermieten. „Wenn es das Recht auf Wohnung gibt, gibt es auch ein individuelles Zugriffsrecht auf leerstehende Wohnungen“, so Maria Loheide. „Leerstand darf es nicht geben“, so Maria Loheide weiter. Auch die Kirche muss hier gefordert werden. Ihre leerstehenden Immobilien sollten für Wohnungslose oder andere Bedürftige nutzbar gemacht werden. Die Synode hat hierzu einen Beschluss gefasst und veröffentlicht.

Die Synode bittet den Rat der EKD und die Landeskirchen, sich auf der Ebene des Bundesund der Länder aktiv der Thematik der wachsenden Wohnungsnot anzunehmen und

  • Wohnen als Frage der gesellschaftlichen Gerechtigkeit in den öffentlichen Diskurs einzu-bringen und
  • sich an zivilgesellschaftlichen Bündnissen zur Verbesserung des Wohnungsmarktes zu beteiligen.

Die Synode bittet den Rat der EKD und die Gliedkirchen sowie die diakonischen Werke unddiakonischen Träger

  • zu prüfen, inwieweit im Rahmen des Gebäudemanagements und / oder der Vermögens-verwaltung Immobilien für den Wohnungsmarkt für Benachteiligte nutzbar gemacht wer-den können. Insbesondere sollte geprüft werden, ob im Rahmen einer nachhaltigen Ver-mögensanlage auch Investitionen in den sozialen Wohnungsmarkt getätigt werden kön-nen.

Würzburg, den 14. November 2018  https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/2-5-Beschluss-zur-Wohnungnot-in-Deutschland.pdf

Gegen 12.30 h hatten wir noch ein kurzes Gespräch mit der Diakonie R-W-L. Die Diakonie hat eine Resolution verfasst zum Thema „Bezahlbarer Wohnraum für alle“.

Wohnen ist ein Menschenrecht. Wohnen ist ein existenzielles Grundbedürfnis des Menschen und Voraussetzung, um ein gelingendes Leben führen zu können. Die Herstellung und der Zugang zu Wohnraum sowie der Umgang mit Grund und Boden sind nicht dem freien Markt zu überlassen. Denn eine Wohnung ist keine Ware, wie Gebrauchsgüter des täglichen Bedarfs. Jährlich müssten 400.000 neue Wohnungen gebaut werden1 . Ein Großteil davon muss öffentlich gefördert werden, um faire Mieten anbieten zu können. Die Mieten steigen nicht nur in Ballungszentren. Mieten und Nebenkosten umfassen bei vielen Menschen mit wenig Geld mittlerweile mehr als 40 Prozent des Haushaltseinkommens. Damit bleibt für den täglichen Bedarf zu wenig Geld übrig. Betroffen sind in besonderem Maße arbeitslose Menschen, Alleinerziehende, Senioren mit einer kleinen Rente, Menschen mit einer Behinderung, Geflüchtete oder Familien mit vielen Kindern. 860.000 Menschen waren in Deutschland im Jahr 2016 nach Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe ohne eigene Wohnung, Tendenz steigend.

Diese Resolution wurde an die Bundesregierung (Bundeskanzlerin Angela Merkel) und an die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände (Städtetag) adressiert.

Nach einer kurzen Besprechung dieser Resolution, die nicht mehr verändert oder diskutiert, sondern nur noch abgestimmt werden konnte, entschieden wir uns, eine „Gegenrede“ aus Sicht der Wohnungslosen zu formulieren, welche nicht länger als 2 Minuten dauern sollte. Diese Gegenrede erstellten Ilse, Corinna und Karsten am Abend nach dem Essen im Hostel.

Wir stellten folgende Forderungen an die Politik:

• Enteignung der großen Wohnungsbaugesellschaften
• Keine Befristung von Mietverträgen, damit leerstehende Wohnungen nicht tageweise zu horrenden Preisen vermietet werden können, wie z. B. rbb
• Die Infrastruktur in ländlichen Gebieten verbessern, damit Ballungsräume entlastet werden.
• Einen Wohnraumleerstandsmelder bundesweit einführen – zur schnelleren Vermietung und Bekanntgabe von leerstehenden Wohnungen
• Verbot von Entmietungen durch Vermieter für Luxussanierungen – bei Entmietung einen kostenlosen Anwalt

Wir wollen diese Resolution weiter verfolgen und bis zum nächsten Kirchentag in 2 Jahren in Frankfurt daran weiter arbeiten.

Nach diesem Gespräch hatten wir den Tag zur freien Verfügung und konnten uns die Veranstaltung anschauen. Natürlich bekamen wir auch Besuch von einzelnen Vertretern der Diakonie, wie z. B. Barbara Eschen, die uns schon von einem früheren Gespräch auf dem Wohnungslosentreffen in Freistatt kannte.

Der 3. Tag (22.06.19)

A20190621 Stand Wohnungslose Kirchentagm 3. Tag teilten wir uns auf weil wir verschiedene Veranstaltungen besuchten, welche gleichzeitig stattfanden.

Stefan, Corinna, Ilse, Karsten, Thomas fuhren nach DO-Hörde. Hier fand die Veranstaltung „Eigentum verpflichtet – Echt jetzt? “ statt. Hier wurde auch die Resolution „Bezahlbarer Wohnraum für alle“ den Besuchern vorgestellt und verabschiedet.

Zum Thema „Eigentum verpflichtet – Echt jetzt?“ sprachen verschiedene Referenten über Wohnungsbau und -politik.

Mathias Grefrath sprach z. B. darüber „Warum Wohnen unbezahlbar ist“. Er meinte das 40 % der Bevölkerung 50 % und mehr ihres Einkommens heute an Miete zahlen müssen. Ab 30 % des Einkommens fallen Mieten in den Bereich des Unerschwinglichen. In München z. B., der Stadt mit den höchsten Mieten, sind seit den 1960er Jahren die Mieten über 34.000 % angestiegen.
Schon in den 1960 Jahren warnte Franz Josef Strauß (CSU) in einer Bundestagsrede davor die Mieten der freien Marktwirtschaft zu überlassen, weil die Mieten dann ins Unermessliche steigen.

Das Thema Enteignung wurde von Grefrath auch angesprochen. Im Grundgesetz gibt es den Art. 15 „Enteignung“ der besagt dass Eigentum von Grund und Boden zum Zwecke der Vergesellschaftung durch den Staat überführt werden kann.

Dorothee Rodenhäuser vom Mietshäuser-Syndikat sprach zu „Welche Alternativen gibt es?“ und stellte ein Projekt vor in dem es um selbstorganisiertes Wohnen geht.

Das Mietshäuser Syndikat berät selbstorganisierte Hausprojekte, die sich für das Syndikatsmodell interessieren, beteiligt sich an Projekten damit diese dem Wohnungsmarkt entzogen werden, hilft mit Know How bei der Finanzierung.

Am Abend des 3. Tages bauten wir unseren Stand ab und packten alles zusammen. Am Sonntag morgen nach dem Frühstück brachen wir unsere Zelte in Bochum ab und fuhren glücklich und müde nach Hause.

Insgesamt war der Ev. Kirchentag eine gelungene Veranstaltung. Es wurde über die verschiedensten aktuellen Thematiken (über 2000 Stände) gesprochen und informiert zu der auch die Politiker (Dr. Angela Merkel, Franziska Giffey, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeyer, Kathrin Göring-Eckart,…) eingeladen wurden.

Auch für uns war der Kirchentag eine fruchtbare Veranstaltung. Wir konnten uns weiterentwickeln und einbringen und neue Kontakte knüpfen. In 2 Jahren ist der Kirchentag an Christi Himmelfahrt in Frankfurt/Main. Wir wollen daran wieder teilnehmen.

siehe auch: https://www.diakonie-rwl.de/themen/diakonie-rwl/resolution-kirchentag

Resolution:
37. Deutscher Evangelischer Kirchentag Resolution: „Bezahlbarer Wohnraum für alle“

Adressaten:Bundesregierung: Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel;Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände, stellvertretend für alle Städte und Gemeinden: Präsident des Dt. Städtetages Burkhard Jung

Antragstellende:Diakonie Deutschland –Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklunge.V.; Diakonisches Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. -Diakonie RWLAnsprechpartnerin:Heike Moerland, Diakonie RWL, Lenaustraße41, 40470 Düsseldorf

Veranstaltung:„Eigentum verpflichtet -echt jetzt?“, Sa. 22.06.2019, 11.00 –13.00Uhr, Warsteiner Music Hall, Halle, Phoenixplatz 4, Hörde

Resolution:Wohnen ist ein Menschenrecht.

Wohnen ist ein existenzielles Grundbedürfnis des MenschenundVoraussetzung, um ein gelingendes Leben führen zu können.Die Herstellung und der Zugang zu Wohnraum sowie der Umgang mit Grund und Boden sind nicht dem freien Markt zu überlassen. Denn eine Wohnung ist keine Ware, wie Gebrauchsgüter des täglichen Bedarfs.Jährlich müssten 400.000 neue Wohnungengebaut werden1. EinGroßteil davon muss öffentlichgefördert werden, um faire Mieten anbieten zu können.Die Mieten steigen nicht nur inBallungszentren. Mieten und Nebenkosten umfassen bei vielen Menschen mit wenig Geld mittlerweile mehr als 40Prozent des Haushaltseinkommens. Damit bleibt für den täglichen Bedarf zu wenig Geld übrig.Betroffen sind in besonderem Maße arbeitslose Menschen, Alleinerziehende, Senioren mit einer kleinen Rente, Menschen mit einer Behinderung, Geflüchtete oder Familien mit vielen Kindern. 860.000 Menschen waren in Deutschland im Jahr 2016 nach Schätzungder BundesarbeitsgemeinschaftWohnungslosenhilfe ohne eigene Wohnung, Tendenz steigend.2Sie finden auf dem Wohnungsmarkt keinen bezahlbaren Wohnraum.

Wir fordern die Bundesregierung auf,dafür zu sorgen,

  • dass alle Menschen ihr menschenrechtlich verbürgtes Recht auf angemessenes Wohnen wahrnehmen können,
  • eine ressortübergreifende Wohnstrategie vorzulegen, die alle Akteure einbezieht. Neben derWohnungswirtschaft sind dies vor allem die Länder,Städte und Kommunen, aber auchWohlfahrtsverbände, Kirchengemeinden, private Initiativen und Betroffene,
  • den privaten Wohnungsmarkt so zu regulieren, dass auch die Interessen verletzlicher Gruppen berücksichtigt werden.

Wir fordern alle Städte und Gemeinden auf,

  • in besonders betroffenen Städten bis zur Umsetzung der Wohnstrategie der Bundesregierung den Wohnraum-Notstandauszurufen,damit sichergestelltwird, dass die Wohnungsnot auf breiter Basis öffentlich diskutiert wird,
  • Maßnahmen zu ergreifen, umWohnraum für alle Bevölkerungsgruppendauerhaft vorzuhalten, und zwar insbesondere für Menschen, die von Armut betroffen sindund für Menschen,diebarrierefreie Wohnungenbenötigen,
  • für den sozialen Wohnungsbau zu werben,
  • Rahmenbedingungen für einen sozialverträglichen Umgang mit Grund und Boden zu schaffen,
  • bei der Planung neuer Baugebiete 40 Prozent für öffentlich geförderten „fairen“ Wohnraumeinzuplanen–mit einer ausreichenden Zahl an Wohnungen für Alleinstehende undfür großeFamilien,
  • den Anteil von kommunal verfügbarem Wohnraum durch Bau, Erwerb, Kooperationsvereinbarung oder den Erwerb von Belegungsrechten auszuweiten, um die Möglichkeit einerBelegungssteuerung zu haben,
  • auf den Verkauf eigener kommunaler Wohnungsbestände zu verzichtenund bisherige Verkäufe nach Möglichkeit rückgängig zu machen,
  • präventive Hilfestrukturen zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit zu stärken und auszubauen.

1„Deutschland-Studie 2019“ der TU Darmstadt und des Pestel-Instituts (Hannover), https://www.bauindustrie.de/media/documents/Deutschlandstudie_2019_Langfassung.pdf

2BAG Wohnungslosenhilfe e.V., Pressemitteilung vom 14.11.2017und wohnungslos 4/18, Seite 122ff

Beleg: Resolution Wohnraum_fuer_alle.pdf

Einladung zum Medien/Pressegespräch
Wohnungslosentreffen 2019 Herzogsägmühle, Bayern

Freitag, den 28.06.2019 um 11:00 Uhr
Innere Mission - Konferenzraum im Löhe-Haus, 3. OG,
Landshuter Allee 40, 80637 München

Einladung als PDF: 2019.06.28 Einladung Mediengespräch München.pdf

Freistatt, 18.07.2019

Mikrofone Pressekonferenz: Quelle: WikiCommonsSehr geehrte Damen und Herren,

das Netzwerk der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen organisiert in Herzogsägmühle, Bayern vom 21. - 28. Juli 2019 ein Wohnungslosentreffen, zu dem mehr als 100 wohnungslose und ehemals wohnungslose Menschen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und einigen Regionen Europas erwartet werden.

Schwerpunkte des Treffens werden sein: Die Weiterarbeit am Programm, der Aufbau von Gruppen, die Sichtung möglicher Rechtsformen sowie Austausch, Vernetzung und die Planung gemeinsamer Aktionen.

Das Wohnungslosentreffen 2019 ist das insgesamt vierte Treffen, das erstmalig in Herzogsägmühle anlässlich des 125ten Jubiläums der Einrichtung stattfinden wird.

Auf dem Mediengespräch wollen wir Sie über den Stand der Vorbereitungen sowie über die Inhalte und Ziele des Treffens informieren. Als Gesprächspartner stehen Ihnen zur Verfügung:

• Jürgen Schneider (Armutsnetzwerk e.V.), langjähriger Aktivist zu Wohnungslosigkeit, Grün­der des Internetportals Berber-Info und Mitinitiator des Projekts Wohnungslosentreffen, Orga-Team

• Lutz Schmidt (Herzogsägmühle) Teilnehmer am Wohnungslosentreffen, Mitorganisator der Angebote auf dem Wohnungslosentreffen 2019

• Corinna Lenhart (Pforzheim) Teilnehmerin am Wohnungslosentreffen, Frauengruppe, Mitwirkende im Orga-Büro des Wohnungslosentreffens

• Pastorin Dr. Johanna Will-Armstrong (Bielefeld, Vorstand Stiftung Bethel für den Träger des Projekts)

• Dr. Günther Bauer (Vorstand Herzogsägmühle, Diakonie in Oberbayern für die Gastgeber des Wohnungslosentreffens 2019)

• Heidi Ott (Nürnberg, Diakonisches Werk Bayern, Geschäftsführerin des Fachverbandes Ev. Wohnungslosenhilfe und Straffälligenhilfe als Förderin)

sowie vom Orga-Team

• Frank Kruse (Freistatt, Leiter der Wohnungslosenhilfe) Janine Husmann (Freistatt, Leiterin der Arbeits- und Qualififizierungsprojekte) und Dr. Stefan Schneider (Koordinator der Selbstvertretung wohnungloser Menschen)

Für weitere Auskünfte steht Ihnen der Koordinator Stefan Schneider unter der Tel +49 – 177 – 784 73 37 bzw. der email-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zur Verfügung.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Mit freundlichen Grüßen

Stefan

Foto: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/48/Pressekonferenz_Rathaus_K%C3%B6ln_zu_den_Vorg%C3%A4ngen_in_der_Silvesternacht_2015-16-5761.jpg

Quelle: WikiCommosn

Traditionell am christlichen Feiertag "Himmelfahrt" findet in Freistatt das Jahresfest statt. In diesem Jahr war die Selbstvertretung wohnungsloser Menschen erstmalig mit einem Info-Stand vertreten.

Bemerkenswert sind auch die Ergebnisse einer kleinen anonymen Umfrage, die während des Festes durchgeführt wurde. Es ging um die Fragen:

  1. Wie stellen Sie sich einen Wohnungslosen / Obdachlosen vor ?
  2. Was sollte man machen das es weniger Wohnungslose / Obdachlose gibt?
  3. Was verstehen sie unter „Selbstvertretung wohnungsloser Menschen„?

Dirk Dymarski berichtet in seinem Artikel, wie es war und was die Umfrage ergeben hat.

2019 Jahresfest Gottesdienst

Im 120. Jahr von Freistatt wurde das traditionelle Jahresfest an Christi-Himmelfahrt veranstaltet. Der Tag startete mit dem Gottesdienst. Die Predigt hielt in diesem Jahr der neue Superintendent Martin Lensch (Kirchenkreis Diepholz).

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand nicht nur die Hauptattraktion des gut besuchten Trödelmarkts sondern auch die Vorstellung unterschiedlicher Angebote von Bethel im Norden.

Ob Wohnungslosenhilfe oder Jugendwerkstatt mit diversen Angeboten und Aktionen gaben die Einrichtungen Einblicke in ihre vielfältige Arbeit.
So auch unsere Selbstvertretung wohnungsloser Menschen der mit einem eigenen Stand vor Ort gewesen ist

2019 Jahresfest GruppeIm Laufe des Tages konnten sich die Besucher am Stand von Werner (Berlin), Uwe und Arco (Lüneburg), Mike und Lucy (Edewecht), Lutz (Herzogsägmühle) und Dirk (Freistatt) über die Arbeit informieren und an einer Themen spezifischen Umfrage teilnehmen.

Lucy bot Kinder malen an, was auch rege genutzt wurde. Die anderen unterhielten sich mit Besuchern und klärten in diversen Gesprächen über unsere Arbeit auf und wer wollte konnte auch spenden, immerhin, es kamen 47,25 € zusammen.

Das Jahresfest war wie jedes Jahr sehr gut besucht. Unter anderem mit musikalischen Darbietungen von den True Colors, und zahlreichen kulinarischen Angeboten war es dieses Jahr ein voller Erfolg und wir freuen uns auf das nächste Jahresfest 2020.

Dirk Dymarski


Umfrage / Auswertung  (Anonyme Auswertung)

Wie stellen Sie sich einen Wohnungslosen / Obdachlosen vor ?

  • Ungepflegt
  • alte Kleidung
  • wenig Eigentum
  • immer einen HUND dabei
  • Hilflos
  • hartes Leben fast ohne Chance in der Gesellschaft , bin TRAURIG , dass es in einem so reichen LAND wie dem UNSEREN Obdachlose Menschen gibt

Was sollte man machen das es weniger Wohnungslose / Obdachlose gibt?

  • Bezahlbarer Wohnraum
  • gerechter Lohn
  • Familien Anschluss
  • mehr Anlaufstellen für frühzeitige Hilfe
  • mehr Aufmerksamkeit & Menschen animieren zu helfen
  • zuhören & nicht wegschauen
  • attraktive Eigeninitiative Angebote schaffen

Was verstehen sie unter „Selbstvertretung wohnungsloser Menschen„?

  • so eine Art Klassensprecher
  • Betriebsrat für Obdachlose
  • Organisation netter Menschen mit Eigeninitiative
  • sowas wie eine Gewerkschaft !!!!
  • die eigene Position deutlich vertreten
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