Förderung von Teilhabe und Selbstorganisation wohnungsloser Menschen in Niedersachsen (Empowerment, Community Organizing, Sommercamps, Verstetigung)

Kurzbeschreibung

Strukturen der Teilhabe wohnungsloser Menschen in Gesellschaft und Wohnungslosenhilfe sind bestenfalls ansatzweise entwickelt. Um dies zu verbessern, werden in Niedersachsen in einem dreijährigen Prozess des Empowerment und des Community Organizing wohnungslose und ehemals wohnungslose Menschen angesprochen, motiviert, unterstützt, gefördert, qualifiziert und begleitet, an ihren momentanen Aufenthalts- bzw. Lebensorten (Obdächer, Tagestreffs, Straße usw.) regionale und thematische focussierte Selbsthilfe- und Teilhabegruppen zu bilden und ihre Anliegen selbstbestimmt zu artikulieren und zu vertreten. Die entstehenden Gruppen werden dabei unterstützt, sich kennen zu lernen und auszutauschen, voneinander zu lernen, sich zu qualifizieren, langfristig Initiativen zu verabreden, Aktionen zu planen, Netzwerke zu bilden, zu verstetigen und nachhaltig in Wohnungslosenhilfe und Gesellschaft zu wirken. Jährliche Sommercamps dienen als Plattform der Interaktion sowie als Meilensteine für den Aufbau und die Absicherung von Beteiligungs- und Selbstorganisationsstrukturen Wohnungsloser.

1. Angaben zum Antragsteller

1.1 Kurzbeschreibung des Antragstellers (gegebenenfalls Organigramm als Anlage beifügen)

Die Stiftung Bethel ist eine der vier Stiftungen, die gemeinsam den Verbund der v. Bodelschwinghschen Stiftungen bilden. Sie wurde im Jahre 1867 in Bielefeld als Anstalt Bethel gegründet. Der Anstalt sind durch landesherrlichen Erlass vom 17. August 1868 die Rechte einer juristischen Person verliehen worden. Im Rahmen einer Satzungsänderung im Jahre 2010 erfolgte die Umbenennung in Stiftung Bethel. Die Stiftung Bethel ist eine rechtsfähige kirchliche Stiftung des privaten Rechts und hat ihren Sitz in Bielefeld-Gadderbaum. Zur Stiftung Bethel gehört der unter anderem der Unternehmensbereich Bethel im Norden mit diversen Einrichtungen in der Region Freistatt und Hannover. (siehe Organigramm Stiftung Bethel - Struktur Bethel im Norden)

Die v.Bodelschwinghschen Stiftungen errichten, erweitern und unterhalten Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung, Förderung von Menschen mit epileptischen, seelischen und körperlichen Erkrankungen sowie Menschen mit Behinderungen. Dazu gehört auch die Unterhaltung von Einrichtungen und Diensten der Kinder- und Jugendhilfe, Altenhilfe, Wohnungslosenhilfe, von Schulen und Ausbildungsstätten sowie Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation. Sie können auch solche Einrichtungen unterhalten, die mittelbar den genannten Zwecken förderlich sind. Die Stiftung Bethel ist durch das Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e. V. der Diakonie Deutschland – Evangelischer Bundesverband Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. und damit einem anerkannten Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege angeschlossen.

1.2 In welchen Aufgabenfeldern ist Ihre Organisation tätig?

Die Stiftung Bethel ist eine der vier Stiftungen, die gemeinsam den Verbund der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel bilden. Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen stellen ein breites Spektrum von Hilfeangeboten, wie Epilepsieforschung, Behindertenhilfe, Psychiatrie, Jugendhilfe, Hilfe für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten, Allgemein- und Fachkrankenhäuser, Altenhilfe, Betriebe und Werkstätten, Kindertagesstätten, allgemein bildende Schulen, Ausbildungsstätten, Berufsbildungswerk und stationäre Hospize bereit. Die Angebote werden an verschiedenen Standorten im Bundesgebiet mit Schwerpunkten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen und Brandenburg bereitgestellt. Die Anzahl der Mitarbeiter beträgt aktuell ca. 17.500. Im Unternehmensbereich Bethel im Norden arbeiten ca.1.700 Beschäftigte.

Derzeit stellen die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in den nachfolgend aufgeführten Hilfefeldern die jeweils in Klammern gesetzten Plätze bereit: Epilepsiearbeit - incl. Berufsbildungswerk (915), Behindertenhilfe (2.356), Psychiatrie – incl. Psychiatrischer Tagesklinik (1.952), Hilfe für Menschen in erworbenen Hirnschädigungen (99), Jugendhilfe (853), Hilfe für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten (393), Arbeit und berufliche Rehabilitation (3.388), Schulen und Ausbildungsstätten (7.050), Hospizarbeit (56). Die Wohnungslosenhilfe von Bethel im Norden bietet Hilfen für Frauen und Männer ohne Wohnung, die Beratung und Unterstützung für die Überwindung ihrer sozialen Notlage suchen und ihre Lebenslage verbessern wollen. Menschen ohne Obdach zu helfen hat in Freistatt eine lange Tradition. Seit über 100 Jahren finden hier Menschen in sozialen Schwierigkeiten ein differenziertes Angebot in den Bereichen "Wohnen" und "Arbeiten". Die Förderung individueller Fähigkeiten steht dabei im Mittelpunkt. Grundlage für die Aufnahme ist das Sozialgesetzbuch XII mit der Möglichkeit zur Weitervermittlung in diese Hilfsangebote: Stationäre Hilfe; Dezentrales Stationäres Wohnen; Nachgehende Hilfe; Sucht-, Arbeits- und Schuldenberatung; Tagestreffpunkt "Arche".

2. Angaben zur Zielgruppe des Vorhabens

2.1 An welche Zielgruppe(n) wendet sich das Vorhaben?

Das Vorhaben wendet sich an wohnungslose und ehemals wohnungslose Menschen in Niedersachsen und darüber hinaus. Neben wohnungslosen Menschen, die über stationäre und ambulante Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe zu erreichen sind, soll im Rahmen der Mobilisierung auch versucht werden, Menschen, die in kommunalen Obdächern oder auf der Straße leben und solche, die nicht in die Hilfestrukturen eingebunden sind, zu erreichen. Ein weitere Aufgabe besteht darin, die vielfältigen Teilgruppen wohnungsloser Menschen angemessen anzusprechen und einzubeziehen, etwa wohnungslose Frauen, Jugendliche, wohnungslose Menschen mit Migrationshintergrund usw. Über Niedersachsen hinaus werden ggf. auch wohnungslose Gruppen und Initiativen aus dem deutschsprachigen und europäischen Raum, die zum Gelingen der Sommercamps beitragen können, weil andere von ihnen lernen können, gezielt angesprochen. Armut kennt keine Grenzen. Es werden ausdrücklich auch ehemals wohnungslose Menschen einbezogen. Zum einen bleibt trotz Beendigung der Wohnungslosigkeit die allgemeine Lebenslage oftmals sehr prekär, zweitens verspüren viele Menschen erst nach Überwindung der Wohnungslosigkeit das Bedürfnis, sich zu engagieren.

2.2 Wie viele Teilnehmer sollen in das Vorhaben einbezogen werden?

Nach dem „Anlagenbericht der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (LAG FW) zur Handlungsorientierten Sozialberichterstattung Niedersachsen 2015 mit dem Thema: Wohnungslosenhilfe in Niedersachsen“ rechnet das Niedersächsische Sozialministerium derzeit mit 6.500 Wohnungslosen in Niedersachsen (Stand: 2014). Während der Projektlaufzeit sollen durch direkten persönlichen Kontakt sowie durch indirekte Ansprache (Flyer, Video) etwa 1000 betroffene wohnungslose bzw. ehemals wohnungslose Menschen erreicht werden, um ihnen die Idee von Teilhabe und Selbstorganisation nahezubringen.
Durch verschiedene Veranstaltungen, Workshop, Treffen, Aktionen, Besuche sowie persönliche Kontakte sollen lokale Gruppen und Netzwerke angeregt, initiert und begleitet werden. Menschen, die sich durch Angebote erreicht werden und sich nachhaltig engagieren, werden im Verlauf des Prozesses zu Multiplikatoren, die weitere Interessierte anprechen. Die Sommercamps, die als jährliches Plenum zur Koordination dienen, sollen einen Teilnehmerkreis von etwa 100-120 Menschen umfassen.

3. Begründung des Vorhabens

3.1 Worin begründet sich der Bedarf für das geplante Vorhaben?

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten wurde immer wieder das Thema Teilhabe Wohnungsloser debattiert. Allerdings gibt es bisher nur wenig Teilhabe in Einrichtungen. Beispiele hierfür sind eine regional agierende, aber eher fragile Gruppe in Vereinsform mit dem Namen Bundesbetroffeneninitiative wohnungsloser Menschen (BBI), die in Offenburg und im Kölner Raum sowie im bergischen Land angesiedelt ist, das Armutsnetzwerk e.V. mit Sitz in Sulingen, Niedersachsen, das aus der Internetplattform Berber-Info hervorgegangen ist, sowie einige einzelne Akteure und wenige weitere Internet-Seiten sowie die Praxis der Beteiligung einzelner Wohnungsloser an wichtigen Tagungen und Konferenzen. Hier ist auf der einen Seite ein gewisser Stillstand zu verspüren, auf der anderen Seite ist klar, dass gerade das Thema Teilhabe (Partizipation) ein wichtiges Anliegen ist, an dem weiter gearbeitet werden sollte. Dies fordert auch der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V (BAG Wohnungslosenhilfe), die erst im Mai 2015 eine Empfehlung „Mehr Partizipation wagen“ verabschiedet hat. Vergleicht man den Stand von Teilhabe in der Wohnungslosenhilfe mit anderen Feldern und Formen der sozialen Arbeit – etwa das Feld der Behindertenhilfe oder die Heimunterbringung für Senioren – so muss konstatiert werden, dass Teilhabe im Bereich der Wohnungslosenhilfe deutlich unterentwickelt ist. Vergleichbares gilt für Ansätze der Selbstorganisation.
Gemäß einer Prognose der BAG Wohnungslosenhilfe ist davon auszugehen, dass sich die Zahl der Wohnungslosen in Niedersachsen von ca. 6500 in 2014 deutlich erhöht. Bis zum Jahre 2018 wird sich die Zahl der Wohnungslosen im Bundesgebiet von ca. 371.000 auf voraussichtlich ca. 536.000 Betroffene erhöhen. Das entspricht fast 45% und erhöht den Handlungsbedarf ganz deutlich.

3.2 Wie grenzt sich das Vorhaben von den bisherigen Aktivitäten ab?

Wohnungslosigkeit ist eine extreme Form von Armut. Bestimmte Aspekte, die mit der Lebenslage Wohnungslosigkeit verbunden sein können, wurden lange Zeit hervorgehoben, kriminalisiert („Landstreicherei“) oder negativ bewertet („Nichtsesshaftigkeit“). Wohnungslosenhilfe ist gekennzeichnet von dem Anliegen, einerseits die unmittelbare Not zu lindern, andererseits eine Integration in eine Lebenswelt zu ermöglichen, die als „normal“ angesehen wird. Ein solcher Ansatz
rückt naturgemäß den einzelnen Menschen und seine Hilfebedürftigkeit in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Bei dieser Herangehensweise tritt häufig in den Hintergrund, wohnungslose Menschen auch als Akteure wahrzunehmen und Bedürfnisse und Möglichkeiten der Selbsthilfe und Selbstorganisation sowie der Teilhabe wahrzunehmen und zu fördern. Dem hier beantragten Projekt liegt die Überzeugung zugrunde, dass die bisherigen Formen der Förderung von Teilhabe (bundesweit agierender Verein ohne echte Basis, themenspezifische Arbeitsgruppe oder Forum bei Fachtagungen, Teilnahme von betroffenen Einzelpersonen an Fachveranstaltungen) an ihre Grenzen gekommen sind.

Es ist – auch vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Fachdebatte um Partizipation in der Wohnungslosenhilfe – erforderlich, das Anliegen der Beteiligung und Selbstorganisation mit neuen Ideen und Initiativen voranzubringen. Dabei sollte großen Wert gelegt werden auf Formate, die der Lebenssituation von Menschen in besonderen Lebenslagen entsprechen. Ein Sommercamp bietet verschiedene Chancen wie z.B. eine Woche an einem geschützten Ort gemeinsam zu verbringen, Erholung, Freizeit, Entspannung durch sichere Unterkunft und Verpflegung (dies ist vor allem aus der Perspektive von Menschen, die auf der Straße leben, sehr wichtig), verschiedene Workshops zum Austausch und zum Lernen, Begegnung mit anderen wohnungslosen Menschen, die bereits Erfahrungen im Engagement haben (Aktivisten).

3.3 Wie ist das zu fördernde Vorhaben in die sozialen Strukturen vor Ort eingebunden und mit den zuständigen Fachbehörden abgestimmt?

In der kleinen Gemeinde Freistatt im Landkreis Diepholz in Niedersachsen nimmt der Fachbereich der Wohnungslosenhilfe des Trägers Stiftung Bethel, Bethel im Norden mit 146 stationären und weiteren ca. 80 ambulanten Plätzen schon jetzt einen großen Raum ein. Innerhalb der Gemeinde ist diese seit Jahrzehnten gewachsene Arbeit respektiert und akzeptiert. Die Mitarbeiter und -innen von Bethel im Norden, die am Standort in Freistatt nicht nur in der Wohnungslosenhilfe, sondern auch in anderen Arbeitsfeldern tätig sind, sind mit den besonderen Herausforderungen der Arbeit mit Wohnungslosen vertraut. Jährlich stattfindende Sommercamps in Freistatt fügen sich von daher sehr gut in die sozialen Strukturen der Gemeinde Freistatt ein und können grundsätzlich mit positiver Resonanz rechnen.

Darüber hinaus ist die Verbesserung von Teilhabe als wichtiges Ziel des Diakonischen Werkes in Niedersachen sogar in dessen Satzung verankert und auch erklärtes Ziel des Evangelischen Fachverbandes Wohnung und Existenzsicherung e.V. (EFWE) in Niedersachsen, in dem gegenwärtig 32 evangelische Träger der ambulanten, teilstationären und stationären Wohnungslosenhilfe zusammengeschlossen sind. Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe wünscht eine Verbesserung der Möglichkeiten der Teilhabe von Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten, was in der gerade im Jahr 2015 beschlossenen Empfehlung „Mehr Partizipation wagen - Förderung und Unterstützung von Partizipation in der Wohnungslosigkeit“ deutlich zum Ausdruck kommt. Die Kooperation sowohl mit den Fachverbänden als auch mit den einzelnen Trägern der Wohnungslosenhilfe im Rahmen des Projekts Teilhabe und Selbstorganisation wird ausdrücklich angestrebt. Die Standorte der Wohnungslosenhilfe, z.B. in Lüneburg, Hannover, Celle, Gifhorn und weitere kommen daher für mögliche Gruppenaktivitäten in Frage. Damit ordnet sich das Projekt in einen allgemeinen Trend ein, die Teilhabe Wohnungsloser verbessern zu wollen und stellt zugleich ein innovatives Statement dar, auf dessen Wirkungen und Effekte sich andere Einrichtungen gerne beziehen können und dürfen.

4. Beschreibung der Vorhabensziele

4.1 Bitte stellen Sie die konkreten Ziele des Vorhabens innerhalb der beantragten Laufzeit dar

Das Hauptziel des Projekts besteht darin, im Land Niedersachsen und darüber hinaus spürbare, nachweisbare und messbare Effekte (sichtbare Gruppen und Aktionen) in Bezug auf eine Verbesserung von Teilhabe und Selbstorganisation Wohnungsloser zu erzielen. Diese Effekte sollen in die Gesellschaft allgemein wirken und auch in den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe wirksam sein.

  • Teilhabe und Selbstorganisation braucht Strukturen. Die Wohnungslosenhilfe selbst ist - verglichen mit den einzelnen Wohnungslosen - eine mächtige Struktur, die Teilhabe ermöglichen kann. Die Wohnungslosen selbst sollen durch das Projekt darin unterstützt werden, diese Strukturen zu nutzen und zu ergänzen(thematisch oder regional orientierte Gruppen; eigene Projekte etc.)
  • Teilhabe und Selbstorganisation kosten Geld. Um soziokulturelle Aktivitäten, Versammlungen, Aktionen, Kundgebungen usw. durchführen zu können, benötigen Teilnehmer finanzielle Unterstützung. Konkrete Formen der Unterstützung sind die Unterstützung und Betreuung der aufzubauenden Gruppen sowie die jährlichen Sommercamps als vernetzendes Forum (Übernahme der Reise-, Unterkunfts- und Verpflegungskosten, Budget für Referenten und Kultur). Ein weiteres Ziel des Projektes besteht darin, Hilfestellung bei der Beschaffung von finanziellen Ressourcen zu geben (Fundraising).
  • Teilhabe und Selbstorganisation erfordern Information und Kommunikation. Das hierfür gegenwärtig mächtigste und zugleich preisgünstigste Instrument ist das Internet. Im Rahmen des Projekts wird ein Internet-Portal eingerichtet und gepflegt. Es wird eine Reihe interaktiver Funktionen enthalten (Newsletter, Kommentarfunktion, News, Materialen, Links, Termine, Fragebögen usw.)
    Daneben werden in mehrwöchigen Mobilisierungsphasen wohnungslose Menschen in den Einrichtungen in ganz Niedersachsen, in den Obdächern und auf der Straße angesprochen. Ziel ist es, möglichst viele Menschen zu informieren und zur Mitarbeit / Teilnahme an den dem Projekt Teilhabe und Selbstorganisation zu gewinnen
  • Teilhabe und Selbstorganisation erfordert Foren. Im Rahmen des Projekts sollen die jährlich stattfindende Sommercamps mit Hilfe von neugebildeten Vorbereitungsgruppen organisiert und durchgeführt, aber auch darüber hinaus sollten Treffen von lokalen Gruppen in einer Stadt oder einer Region oder themenfokussierte Treffen usw. durchgeführt werden.
  • Teilhabe und Selbstorganisation sind Vielfalt. Alle angesprochenen Wohnungslosen sind Expertinnen, deren Wissen in die Gestaltung des Projekts und der zukünftigen Wohnungslosenhilfe einbezogen werden soll. Die Förderung von Teilhabe und Selbsthilfe bedeutet demnach auch, eine Vielfalt von unterschiedlichen Gruppen mit unterschiedlichen Themen, Schwerpunkten, Ausrichtungen, Arbeitsformen und Kulturen auszuhalten und zuzulassen. Ziel dieses Projekt ist es, sich nicht auf eine (Teil-) Gruppe der Wohnungslosen zu fokussieren, sondern die vielmehr diese Vielfalt wahrzunehmen, einzubeziehen und als Potential wahrzunehmen.
  • Teilhabe und Selbstorganisation sind politisch. Ziel des Projektes ist es, Wohnungslose zu stärken, um aktive Ausgangspunkte für die Bildung einer Gruppe und/oder die Durchführung einer Aktion oder Kampagne zu werden. Das Spektrum der möglichen Inhalte umfasst so abstrakte Ziele wie z.B. das Recht auf Wohnen im Grundgesetz und in der Europäischen Verfassung, die sofortige Anhebung der Hartz IV – Sätze, höhere und bessere Standards in Notübernachtungen, aber auch ganz konkrete mögliche Forderungen wie die Bildung eines Beirates in einer Einrichtung, die Anschaffung einer
    Waschmaschine in einem Tagestreffpunkt oder der Wunsch nach ganztägigen Öffnungszeiten in einer Unterkunft.

5. Beschreibung der Umsetzung der Vorhabensziele

5.1 Geben Sie die konkreten Aktivitäten und gegebenenfalls Methoden an, die zur Erreichung
der Vorhabensziele geplant sind

Zu Beginn des Projekts wird die Arbeitsfähigkeit hergestellt, das Konzept erstellt und über den Projektstart informiert. Erstellt werden eine Homepage für das Projekt sowie ein Flyer und ein Video zur Mobilisierung. Eine Vorbereitungsgruppe wird gebildet, die sich grundsätzlich über alle anstehenden Fragen der Umsetzung verständigt. Teilnehmer könnten sein: vor allem „mobilisierte“ (ehemals) wohnungslose Menschen, deren Zahl im Laufe der Mobilisierungsphase ansteigt, engagierte Personen z.B. aus Wohlfahrtspflege, Hochschulen, Kultur und Politik. Interessensbekundungen liegen bereits vor. Jedes Jahr wird eine zweimonatige Mobilisierungsreise geplant, vorbereitet und durchgeführt. Dabei werden im ganzen Land Niedersachsen stationäre und ambulante Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, Obdächer sowie „Szenen“ wohnungsloser Menschen auf der Straße besucht. Methodisch wird auf das Konzept der aufsuchenden Sozialarbeit sowie der aktivierenden sozialen Arbeit und der Feldforschung, sowie auf die Methoden des Empowerments als auch des Community Organizing zurückgegriffen. Dabei sollen ausdrücklich auch bestehende soziale Netzwerke bzw. bestehende Gruppen angesprochen werden.

Als Maßnahme zur Zielerreichung sollen thematische und regionale Gruppen gebildet, aufgebaut und stabilisiert werden. Zur Koordinierung aller Aktivitäten der Gruppen werden jährliche Programm der Camps will hier einen äußeren Rahmen vorgeben, der allen Beteiligten als Orientierung dienen soll und bei Bedarf angepasst werden kann. Bezüglich der konkreten Inhalte der Arbeitsgruppen, der Dialoge und Aktionen erfolgt eine Konkretisierung auf Grund der Gespräche mit den (potentiellen) Teilnehmern während der Mobilisierungsphase und der der Vorbereitungsgruppe.

Mögliche Arbeitsgruppen sind: Menschenrechte und meine Rechte als Wohnungsloser; Erfahrungen von Ausgrenzung und Diskriminierung und wie ich mich dagegen zu Wehr setzen kann; Wie gründe und leite ich eine Gruppe?; Schreibwerkstatt - eigene Texte und Briefe verfassen; Aktionen in der Öffentlichkeit planen und durchführen; Kunst, Kultur und Theater; Gesprächsrunde mit Politikern; Internet und Vernetzung; Internationales Netzwerk Wohnungsloser. Externe Experten werden auf Honorarbasis als Assistenten eingebunden, sie werden ihre Arbeit an den Bedürfnissen der Teilnehmer orientieren. Die Ergebnisse und Verabredungen der Sommercamps werden anschließend in die Tat umgesetzt. Das ganze Jahr hindurch werden die Gruppen und Netzwerke in ihrer Arbeit lokal
aufgesucht, motiviert, begleitet, unterstützt und gecoached. Weiterhin wird zur die Koordinationsstelle die entstehenden Netzwerke moderiert, gepflegt bzw. stabilisiert, geplante Aktionen werden unterstützt.

Über das Projekt wird eine Dokumentation erarbeitet und breit kommuniziert. Wichtige Akteure bei der Auswertung und Kommunikation des Projektes sind aber die Teilnehmenden selbst. Sie können als Multiplikatoren das Anliegen von Teilhabe, Mitbestimmung als auch Selbsthilfe aktiv befördern. Das Anliegen von Teilhabe und die Durchführung von Sommercamps als Forum des Austausches sind auf Kontinuität ausgelegt. Die Voraussetzungen für eine Weiterführung werden bereits im letzten Projektjahr gelegt. Es wird ein Abschlussbericht mit Ergebnissen und weitergehenden Erkenntnissen aus dem Prozess der Teilhabe und Selbstorganisation sowie der jährlich durchgeführten Sommercamps erstellt.

5.2 Stellen Sie den Zeitplan für die Umsetzung des Vorhabens dar

Der Zeitplan im Projektzeitraum vom 01.04.2016 – 31.12.2018 stellt sich wie folgt dar:

1. Quartal: Einrichtung des Arbeitsplatzes; Konzepterstellung; Erstellung eines Mobilisierungsflyers; Erstellung eines Mobilisierungsvideos; Allgemeine Kommunikation über den Start des Projekts; Vorbereitung einer Mobilisierungstour; 8 Wochen Mobilisierungstour ca. 40 Orte / Einrichtungen; Organisation und Durchführung Treffen der Vorbereitungsgruppe; Klärung organisatorischer Fragen der Durchführung

2. Quartal: Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation des Sommercamps 2016

3. Quartal: Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation des Sommercamps 2016 3. Quartal: Auswertung des Sommercamps 2016; Vorstellung und Kommunikation der Ergebnisse; Unterstützung bei der Umsetzung der verabredeten Vorhaben; Netzwerkarbeit; Abrechnung der Kosten; Aktualisierung der Homepage und der Materialien

4. Quartal: Unterstützung bei der Umsetzung verabredeter Vorhaben; Erfahrungsaustausch mit den Akteuren über die Umsetzungserfahrungen; Erweiterung der Vorbereitungsgruppe; Planungen für die Aktivitäten 2017

5. Quartal: Unterstützung bei der Umsetzung der verabredeten Vorhaben; Netzwerkarbeit; Vorbereitung der Mobilisierungstour für 2017; 8 Wochen Mobilisierungstour ca. 40 Orte / Einrichtungen; Organisation und Durchführung Vorbereitungstreffen

6. Quartal: Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation des Sommercamps 2016, Unterstützung bei der Umsetzung der verabredeten Vorhaben; Netzwerkarbeit;

7. Quartal: Unterstützung bei der Umsetzung verabredeter Vorhaben; Netzwerkarbeit; Auswertung des Sommercamps 2017; Vorstellung und Kommunikation der Ergebnisse d; Abrechnung der Kosten; Aktualisierung der Homepage und der Materialien; Kontaktpflege zu den Teilnehmenden

8. Quartal: Unterstützung bei der Umsetzung verabredeter Vorhaben; Netzwerkarbeit; Recherchen; Gespräche, Treffen zur Verstetigung begonnener Projekte und weiterer Wohnungslosentreffen (Finanzierung, Fördermöglichkeiten, Antragstellung, Strukturen, Fördergruppe oder -verein usw.); Erweiterung der Vorbereitungsgruppe; Planungen Sommercamp 2018

9. Quartal : Unterstützung bei der Umsetzung verabredeter Vorhaben; Netzwerkarbeit; Vorbereitung der Mobilisierungstour 2018; 8 Wochen Mobilisierungstour ca. 40 Orte / Einrichtungen; Organisation und Durchführung Treffen der Vorbereitungsgruppe

10. Quartal: Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation aller Aktivitäten zur Verbesserung von Teilhabe und Selbstorganisation; Unterstützung bei der Umsetzung der verabredeten Vorhaben; Netzwerkarbeit;

11. Quartal: Unterstützung bei der Umsetzung verabredeter Vorhaben; Netzwerkarbeit; Auswertung, Vorstellung und Kommunikation der Ergebnisse des Sommercamps 2018; Abrechnung der Kosten des; Aktualisierung der Homepage und der Materialien; Kontaktpflege zu den Teilnehmenden; Verabschiedung; Erstellung des Abschlussberichtes (Konzeption, Struktur, Inhalte, Dokumente, Abbildungen, Anhang, Einverständnis Teilnehmer, Abstimmung, Lay-Out, Druck,
Verbreitung); Vorstellung und Kommunikation der Gesamtergebnisse des Projektes;

5.3 Wie werden die Ergebnisse des Vorhabens dokumentiert und kommuniziert?

Die Ergebnisse des Vorhabens werden auf vielen Ebenen dokumentiert und kommuniziert. Die Homepage, die zu Beginn des Projekts eingerichtet wird, dient sowohl der Mobilisierung als auch der Dokumentation des aktuellen Stands des Projekt als auch der Dokumentation der bisherigen Ergebnisse. Das schließt ein, dass Medienberichte über die Sommercamps sowie Rückmeldungen der Teilnehmenden in die Homepage mit eingebunden werden. Auch Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen während der Sommercamps sowie die Termine der Vorbereitungsgruppe sollen hier eingebunden werden. Ein Linkverzeichnis zu den Kooperationspartnern deutet den Stand der Vernetzung an. Die Homepage könnte ergänzt werden durch Social – Media – Tools wie einen Auftritt bei Facebook,
Twitter und einem Youtube – Kanal uwm. Da das Projekt der Sommercamps gerade wegen des Aspekts der Förderung von Selbsthilfe und Teilhaben innerhalb der Wohnungslosenhilfe sowie innerhalb der Sozialen Arbeit auf Interesse stoßen dürfte, sollen zentrale Ergebnisse der Sommercamps dokumentiert und zusammengefasst werden (Fotoprotokoll, schriftlicher Bericht). Dieser Bericht kann auf der Homepage und in entsprechenden Fachzeitschriften veröffentlicht werden. Auch ist davon auszugehen, dass in den einschlägigen Verbänden der Wohnungslosenhilfe, der Sozialen Arbeit sowie der Wohlfahrtspflege allgemein und speziell auf deren Tagungen bzw. Veranstaltungen ein Interesse an Informationen über dieses Vorhaben gegeben ist. Sofern es hier Anfragen bzw. Möglichkeiten zur Präsentation des Projekts und einer Diskussion darüber gibt, soll versucht werden, dies nach Möglichkeit zusammen mit Betroffenen bzw. Teilnehmenden der Sommercamps zu realisieren. (Bezüglich gemeinsamer Präsentationen von sog. „Profis“ und „Betroffenen“ gibt es bereits positive Erfahrungen mit Akteuren aus dem Armutsnetzwerk.)

Insbesondere der Abschlussbericht stellt einen wichtigen Meilenstein am Ende des Gesamtprojekts dar, weil hier neben einer detaillierten Darstellung des Verlaufs und der Ergebnisse auch sehr präzise ggf. auftretende Schwierigkeiten sowie die Abweichungen von der Planung dargestellt werden. Auch geht es im letzten Projektjahr maßgeblich um die Frage, wie die Sommercamps nach Ende der Förderung durch Aktion Mensch fortgeführt werden können. Das ist eine Frage der Finanzierung und des Einwerbens von Förderzusagen, aber auch eine Frage, ob es gelingt, die Vorbereitungsgruppe soweit zu verstetigen, dass es hier eine personelle Basis für die Fortführung der Sommercamps gibt. Weitere Ergebnisse, die mit dem Vorhaben erreicht werden sollen, sind schwer festzuhalten: Dass Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten, die sich an den Sommercamps beteiligt haben, im Nachgang selbstbewusster und optimistischer sind, geknüpfte Kontakte weiter pflegen und ausbauen, motiviert sind, Gruppen zu bilden und sich vor Ort in ihren Lebenszusammenhängen aktiv einmischen und zu Wort melden. Von der Planung her ist vorgesehen, zu den einzelnen Teilnehmerinnen der Sommercamps Kontakt zu halten und entsprechende Aktivitäten der Selbsthilfe und Teilhabe im Rahmen der personellen und finanziellen Ressourcen zu unterstützen. Für interne Zwecke wird eine Teilnehmer-Liste der Workcamps mit Kontaktdaten (freiwillig) sowie eine Fotodokumentation bzw. eine kurze schriftliche Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Workshops und der Plenumsversammlungen der Sommercamps erstellt und allen Beteiligten nach Abschluss der Sommercamps zur Verfügung gestellt. Zu beachten sind aber bei der Fotodokumentation die Persönlichkeitsrechte der Teilnehmer.

6. Beschreibung der Funktion, Aufgaben sowie Qualifikation des zu fördernden Personals in Abgrenzung zu gegebenenfalls vorhandenem Personal

1,0 VK Projektleitung
Qualifikation: Neben Erfahrungen mit der Durchführung, Koordination und Leitung von Projekten in sozialen Unternehmen allgemein, werden von der Projektleitung folgende Kompetenzen erwartet: die Fähigkeit, gut und vertrauensvoll mit Menschen in sozialen Schwierigkeiten zusammen zu arbeiten, kompetent ihre Teilhabe und Selbstorganisation fördern zu können und sowie die Fähigkeit, anspruchsvolle und innovative Vorhaben umzusetzen und zu kommunizieren.
Aufgaben: Die Stelle umfasst die eigenständige Planung und Umsetzung des Vorhabens. Dazu gehören die Konzeptentwicklung, die Bildung von Vorbereitungsgruppen sowie Planung und Durchführung regelmäßiger Treffen, der komplexe Prozess der Mobilisierung der Teilnehmer, die Auswahl, Einweisung (ggf. Schulung) und Koordinierung der Honorarkräfte, die Durchführung der Sommercamps selbst sowie deren Dokumentation, Auswertung und Nachbereitung. Zu den Aufgaben zählen auch umfangreiche kaufmännische Tätigkeiten, unter anderem Kostenplanung und –verfolgung (zum Beispiel erfolgt die Abrechnung der anfallenden Reisekosten je Teilnehmer unter Einschaltung diverser Bahnhofsmissionen, hier ist ein hoher Koordinierungsbedarf vorhanden). Ein weiterer
Aufgabenbereich ist die Kontaktaufnahme und Kontaktpflege zu den potentiellen und zukünftigen Akteuren, Multiplikatoren und Kooperationspartnern aus den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, den Sozialverbänden, der Wissenschaft und Politik mit dem Ziel der dauerhaften Zusammenarbeit.
Hinzu kommen Aufgaben und Abstimmungen des Projekts innerhalb der Einrichtung Bethel im Norden, gegenüber der Gemeinde Freistatt und des Landkreises Diepholz. Die Aufgaben sowie deren voraussichtlicher zeitlicher Rahmen sind detailliert in der Anlage Übersicht Aufgaben - und Zeitplanung aufgeführt.

7. Angaben zur Nachhaltigkeit des Vorhabens

7.1 Soll das Vorhaben nach Ende des Förderzeitraums weitergeführt werden? Wenn ja, in welcher Weise?

Es ist beabsichtigt, die Netzwerkarbeit zur Teilhabe, die Pflege der Homepage und die Durchführung von Sommercamps als Forumsangebot nach dem Förderzeitraum weiter zu führen. Die Planung der Fortführung soll bereits zu Beginn des dritten Förderjahres in die laufende Projektarbeit integriert werden. Zum einen wird die Projektleitung konkrete Recherchearbeiten über Möglichkeiten der weiteren Förderung durchführen und dokumentieren und dazu Gespräche führen und Treffen organisieren. Zum zweiten wird die Frage der Weiterführung innerhalb der Vorbereitungsgruppe thematisiert und fortlaufend besprochen mit der Intention, konkrete Schritte zu verabreden und Zuständigkeiten zu klären. Drittens wird diese Frage zu einem der thematischen Schwerpunkte des Sommercamps 2018 werden.

7.2 Wie soll das Vorhaben weiter finanziert werden?

Da ein Interesse der Verbände, Träger, Institutionen und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe an sichtbaren Strukturen von Teilhabe unterstellt werden kann, sind entsprechende Initiativen zur finanziellen Absicherung sich im Verlauf der Projekt bildender Gruppen und Initiativen in diesem Kontext zu konkretisieren. Der Internetauftritt steht, die Strukturen und die Netzwerke sind geschaffen.
Zu Ende der Projektlaufzeit sollte eine motivierte Vorbereitungsgruppe für weitere Netzwerkarbeit bestehen und entsprechende Routinen bezüglich des organisatorischen Ablaufes ausgebildet sein.

Freistatt & Bielefeld 17.10.2016

Projekt Förderung von Teilhabe und Selbstorganisation wohnungsloser Menschen in Niedersachsen (Empowerment, Community Organizing, Sommercamps, Verstetigung)

Inhaltsverzeichnis
1 Projekt  
1.1 Projektstart
1.2 Mobilisierung
1.3 Wohnungslosentreffen Sommercamp Freistatt 2016
1.4 Abschluß-Erklärung vom Sommercamp Freistatt 2016
1.5 Präzisierung des Konzepts
2 Daten  
2.1 Anzahl der Teilnehmenden 
2.2 Geschlechterverteilung
2.3 Herkunft
2.4 Mobilisierungsvideos
2.5 Flyer & Plakate 
2.6 Pressekonferenzen 
2.7 Aufrufe der Homepage und der Programmbeschreibung 
3 Stellungnahme: Verbesserung der Teilhabe?
3.1 Nachbereitung und weitere Koordination des Projekts Nov. 2016
3.2 Teilergebnisse & Perspektiven 
3.3 Schlussfolgerungen  
3.4 Anfragen aus der Politik bzw. des Ministeriums 
4 Zusammenfassung

Zwischenbericht
Projekt Förderung von Teilhabe und Selbstorganisation wohnungsloser Menschen in Niedersachsen (Empowerment, Community Organizing, Sommercamps, Verstetigung)

1 Projekt

1.1 Projektstart

Mit dem Vorhaben wurde nach der Genehmigung zum vorzeitigen Projektbeginn durch das Land Niedersachsen Ende Mai 2016 begonnen. Das war – mit Blick auf den geplanten Termin des ersten Wohnungslosentreffen Sommercamp Freistatt vom 24.-31.07.2016 und die damit verbundenen umfangreichen organisatorischen und inhaltlichen Vorbereitungen - der letztmögliche Starttermin.

Wesentlich in der Vorbereitungszeit war der Abschluss von Arbeitsverträgen, die Einrichtung einer Homepage www.wohnungslosentreffen.de sowie weitere Seiten auf Facebook, Twitter und Youtube, die Entwicklung eines Slogans „Alles verändert sich, wenn wir es verändern! - Armut, Wohnungsnot, Ausgrenzung und Einsamkeit sind keine Naturgesetze“, die Erstellung eines Plakates im Format A3 und davon abgeleitet Handzettel im DIN A 6 Format, die Planung der Mobilisierung, die Erarbeitung von Regeln auf dem Camp „Keine Drogen keine Gewalt keine Belästigung“, die Programmplanung in Kooperation mit Akteuren der Selbsthilfe von armen und wohnungslosen Menschen (Armutsnetzwerk e.V., Europäisches Netzwerk Hope Homeless People in Europe), die Akquise von Helfenden & Referenten und weitere 1000 Dinge (Zelte, Schlafsäcke, Essen, Bühne etc.) der praktischen Vorbereitung.

1.2 Mobilisierung

Entsprechend des Konzeptes wurde während der Phase der Mobilisierung kommuniziert, dass die Teilnahme am Wohnungslosentreffen Freistatt 2016 keine Teilnehmerkosten verursachen würde und dass Reisekosten bezuschusst bzw. übernommen werden können. Vorab in die Projektvorbereitung waren eingebunden die Gruppen Armutsnetzwerk e.V. sowie das Europäische Netzwerk wohnungsloser Menschen HOPE.
Konkret wurde eine email mit dem Plakat an alle Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe in Niedersachsen versendet, dazu eine email an alle Bahnhofsmissionen in der Bundesrepublik Deutschland, die gleiche Email wurde über den Email-Verteiler der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe sowie den Evangelischen Fachverband sowie den Europäischen Dachverband FEANTSA versendet. Weitere emails wurden an ausgewählte Projekte und Einzelpersonen (z.B. Strassenzeitungen) versendet.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
In Freistatt, Niedersachsen organisieren wir (Bethel im Norden in Kooperation mit dem Armutzsnetzwerk e.V.) von Sonntag, dem 24. - Sonntag, den 31. Juli ein großes Wohnungslosentreffen Sommercamp Freistatt 2016.
Dieses Treffen soll dem gegenseitigen Austausch, Kennenlernen und Vernetzen dienen und die Teilhabe und Selbstorganisation Wohnungsloser verbessern helfen. Aber auch Freizeit und Kultur sollen nicht zu kurz kommen.
Es gibt eine offizielle Homepage http://www.wohnungslosentreffen.de
Wir möchten alle wohnungslosen und ehemals wohnungslosen Menschen, die mit Eurer Einrichtung in Kontakt stehen, ganz herzlich einladen, an diesem Treffen teilzunehmen.
Damit verbunden haben wir drei Bitten:
Das Plakat findet Ihr im Anhang, es wäre schön, wenn Ihr es ausdrucken und aushängen könntet. Auch möchten wir darum bitten, dass Ihr Menschen, von denen Ihr denkt, dass sie Interesse haben, nach Möglichkeit persönlich ansprecht.
Falls sich eine Gruppe interessierter Menschen findet, wären wir ausgesprochen dankbar, wenn  Ihr diese Gruppe dabei unterstützen könntet, an dem Treffen teilzunehmen. Fahrtkosten können von unserem Projekt bezuschusst bzw. übernommen werden.
Sehr gerne würde ich (oder Jürgen Schneider vom Armutsnetzwerk) auch persönlich in Eure Einrichtung kommen und über das Vorhaben informieren. Dazu können wir gerne einen Termin abstimmen: 0177 - 784 73 37 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Weitere Plakate und Handzettel können wir bei Bedarf gerne zuschicken. Die Anmeldung kann Online erfolgen.
Über eine Rückmeldung würden wir uns sehr freuen.
Herzliche Grüße
Stefan Schneider, Koordination Sommercamps
Jürgen Schneider, Armutsnetzwerk e.V.

PS: Diese Nachricht darf ausdrücklich weiter verbreitet werden!

In einer Versandaktion wurden daran anschließend nochmals mit einem Anschreiben Plakate und Flyer an die Wohnungslosenhilfe in Niedersachsen sowie an alle Bahnhofsmissionen in der Bundesrepublik Deutschland geschickt.
Es gab weiterhin persönliche Besuche von (ausgewählten) Einrichtungen und Gruppen sowie vereinzelt die Ansprache von wohnungslosen Menschen auf Straßen, Plätzen, Bahnhöfen.

1.3 Wohnungslosentreffen Sommercamp Freistatt 2016

Insgesamt wurden auf dem Wohnungslosentreffen Sommercamp Freistatt 2016 33 Programmpunkte an 8 Tagen abgearbeitet. Zu den Programmpunkten gehörten:

  • Eröffnung und Begrüßung der Teilnehmer
  • Freistatt-Erkundung,
  • Geschichte der Wohnungslosentreffen,
  • Berber-App,
  • Hartz IV Themen,
  • Sucht und Suchtselbsthilfe,
  • Interessen erkennen und artikulieren,
  • Bibelarbeit zu Armut,
  • Tafeln im gesellschaftspolitischen Kontext,
  • Gewalterfahrungen,
  • Geschichte der Heimerziehung,
  • Umgang mit Institutionen und Behörden,
  • Dialog Vorbereitungsgruppe – Teilnehmer,
  • Pressegruppe,
  • Mitgliederversammlungen HOPE, Armutsnetzwerk,
  • Vorstellung von Beteiligungsstrukturen,
  • Best Practice of Participation,
  • Vorbereitung einer Abschlusserklärung,
  • Vorbereitung einer Andacht,
  • Erarbeitung von Ideen und Perspektiven nach dem Sommercamp
  • Moorbahnfahrt, Konzerte, Abschlussparty, Grillen, Lagerfeuer, Siebdruckwerkstatt, Film, Abschlussandacht

Auf dem Sommercamp wurde zusammen mit den Teilnehmern am Nachmittag des vorletzten Tages gemeinsam eine Erklärung erarbeitet, die am nächsten Vormittag abgestimmt und auf einer Pressekonferenz vorgetragen und erläutert worden ist. Die Erklärung hat folgenden Inhalt:

1.4 Abschluß-Erklärung vom Sommercamp Freistatt 2016

Was gehn euch meine Lumpen an ?
Da hängen Freud und Tränen dran.
Was kümmert euch denn mein Gesicht ?
Ich brauche euer Mitleid nicht !
—  B. Traven, »Das Totenschiff«, 1926
Sommercamp–Erklärung

I. Organisatorischer Rahmen

Vom 24. bis zum 31. Juli 2016 fand in Freistatt, Niedersachsen das erste Wohnungslosentreffen Sommercamp 2016 statt unter dem Motto:

„Kommt Alle! - Alles verändert sich, wenn wir es verändern.“

Insgesamt sind 77 Teilnehmende der Einladung gefolgt, davon 63 Männer und 14 Frauen. Der überwiegende Teil kam aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sowie aus weiteren Orten in Deutschland; 11 Teilnehmende kamen vom europäischen Netzwerk HOPE (HOmeless PEople). Vertreten waren die Länder Dänemark, Finnland, Irland, Österreich und die Niederlanden.

Wohnungslosentreffen gab es bereits in der Vergangenheit: 1929 ein Vagabundenkongress in Stuttgart, 1981 ein Berbertreffen in Stuttgart sowie 1991 den Kongress der Kunden und Vagabunden, Obdach- und Besitzlosen in Uelzen.

Die Idee dieses zunächst auf drei Jahre angelegten Vorhabens wurde entwickelt von Jürgen Schneider vom Armutsnetzerk, von Peter Szynka vom Diakonischen Werk in Niedersachsen, Frank Kruse von der Wohnungslosenhilfe Bethel und Stefan Schneider, Sozialwissenschaftler aus Berlin. Beantragt wurden Mittel zur Finanzierung des Projekts bei der Aktion Mensch, beim Diakonischen Werk in Niedersachsen, beim Sozialministerium Niedersachsen und der Stiftung Bethel.

Ziel dieses Wohnungslosentreffens ist es, Teilhabe und Selbstorganisation wohnungsloser und ehemals wohnungsloser Menschen zu fördern. Dieses Angebot ist bisher einzigartig in Deutschland.

II. Die Erklärung der Teilnehmenden

Wir als Teilnehmer möchten folgendes festhalten:

1 Wir wurden respektvoll und freundlich aufgenommen. Das war ein anderer Umgang im Vergleich zu dem, was wir sonst üblicherweise erleben.

2 Wir kannten uns vorher nicht oder nur wenig und konnten uns hier in Freistatt erstmals auf einer anderen Ebene begegnen, austauschen und gemeinsame Anknüpfungspunkte finden. Ein Gemeinschaftsgefühl ist entstanden und verbindet für die Zukunft.

Wir konnten feststellen, dass wir untereinander auftretende Konflikte aushalten und Gegensätze akzeptieren können.

3 Es war sowohl Zeit für die Teilnahme und Mitarbeit an den umfangreichen Programm-angeboten, aber auch genügend Raum für Gespräche, Freizeit, Entspannung und Erholung. Alles gehörte dazu, um ein Miteinander zu finden.

4 Die Workshopinhalte empfanden wir als vielfältig, anregend und anspruchsvoll. Wir haben uns mit Themen befasst, die uns unmittelbar betreffen und mit der Veränderung der Welt. Themen waren u.a. Hartz IV Sanktionen, Wohnungslosenhilfe, Selbsthilfe, Diskriminierung, Sucht, Reichtum und Armut, das Leben mit und ohne Gott, Politik, Europäische Zusammenarbeit und persönliche Situationen.

5 Auf dem Sommercamp haben sich das Armutsnetzwerk e.V. und das europäische Netzwerk HOPE (HOmeless PEople) zu Mitgliederversammlungen getroffen.
Das Armutsnetzwerk informierte über seine Arbeitsweise, stellte die App „Pro-Berber“ vor, und wählte einen neuen Vorstand. Das internationale Gremium von HOPE befasste sich in ihrer General Assembly mit ihren Statuten, in HotSpots mit BestPractices der Teilhabe und dem Gegensatz und der individuellen Definition von Armut und Reichtum.

6 Der plötzliche Tod des Teilnehmers Thomas Schmidt durch einen Herzinfarkt hat sehr viel Betroffenheit unter uns ausgelöst. Bei der Trauerandacht in der Moorkirche fand Pastor Sundermann passende Worte für unsere Gefühlslage.

7 Das Sommercamp bot uns teilnehmenden Frauen und Männern einen geschützten Rahmen. Wir haben Gemeinschaft gelebt. Gruppen haben sich gefunden, um eigene Interessen zu erkennen und zu formulieren.

8 Wir wollen uns in einem kleineren Rahmen Anfang November 2016 erneut in Freistatt treffen, um das diesjährige Sommercamp und die erste Arbeitsphase der Gruppen auszuwerten.

9 Wir werden die Idee von Teilhabe und Selbstorganisation aufgreifen und zu unserer eigenen machen. Wir wollen die weiteren Planungen in unsere eigenen Hände nehmen.

10 Wir laden deutschland- und europaweit alle unbedachten und besitzlosen Frauen und Männer ein, beim nächsten Wohnungslosentreffen im Sommer 2017 teilzunehmen.

Wir machen einen Anfang.
Wir wollen der Würde eine Stimme geben.

Freistatt, Niedersachsen
30. Juli 2016

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Wohnungslosentreffens Sommercamp Freistatt 2016

Diese Erklärung ist auf der Homepage www.wohnungslosentreffen.de eingestellt worden und wurde auch auf anderen Webseiten, auch innerhalb der Wohnungslosenhilfe, zitiert. Es ist davon auszugehen, dass sie zumindest auf der Ebene der Fachöffentlichkeit (i.e. Wohnungslosenhilfe und Armutsbekämpfung) breit zur Kenntnis genommen wurde.

1.5 Präzisierung des Konzepts

Der Antrag bei der Aktion Mensch ist auf der Sitzung im September 2016 behandelt und mit Bitte um Überarbeitung an die Antragsteller zurück überwiesen worden. Das war Anlass, das Konzept gegenüber der Aktion Mensch nochmal wie nachstehend dargestellt zu präzisieren:

Antrag: 50 140 962
Förderung von Teilhabe und Selbstorganisation wohnungsloser Menschen in Niedersachsen (Empowerment, Community Organizing, Sommercamps, Verstetigung)

„Der Antrag 50 140 962 wurde zurückgestellt, da nach Meinung des Kuratoriums eine Vollzeitstelle über einen Zeitraum von drei Jahren, um jährlich ein Sommercamp durchzuführen, zu hoch angesetzt ist.
Die Personalstelle ist vom Antragsteller auf ein gewisses Maß realistisch zu kürzen.
Ebenso ist die Vorhabenbeschreibung in diesen Punkten zu überarbeiten und des Weiteren müssen die Aufgaben außerhalb der Camp-Zeiten genauer erläutert werden.“

Freistatt, 14.10.2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre Mitteilung vom 14.09.2016 mit der Information über die Zurückstellung unseres Antrags. Wir freuen uns, dass unser Antrag grundsätzlich auf Ihre Zustimmung getroffen ist und sind dankbar für die Gelegenheit, unser Anliegen nochmal zu präzisieren.

Zusammenfassung

Das Projekt zur Förderung und Verbesserung von Teilhabe und Selbstorganisation wohnungsloser und ehemals wohnungsloser Menschen umfasst weitaus mehr Aufgaben als „nur“ die Vorbereitung und Durchführung von Sommercamps, weitere zentrale Aufgaben sind die Mobilisierung einzelner, der Aufbau von regionalen und thematischen Gruppen sowie der Prozess der Verstetigung durch Bildung von Strukturen. Aus diesen Gründen ist aus Projektsicht die Einrichtung einer Vollzeitstelle geboten.
Im Einzelnen möchten wir darlegen:

1. Intention

Ihre Rückmeldung zeigt uns, dass wir offensichtlich die zentrale Intention des Projektes in der Antragstellung nicht deutlich genug herausgearbeitet und kommuniziert haben. Das zentrale Anliegen des Vorhabens besteht nicht vorrangig in der Durchführung von Sommercamps, sondern darin, in einem dreijährigen Prozess die Teilhabe und Selbstorganisation wohnungsloser und ehemals wohnungsloser Menschen mit den Mitteln von Empowerment und Community Organizing deutlich zu verbessern und zu verstetigen.

2. methodische und strategische Bausteine

Die zentralen methodischen und strategischen Bausteine für diesen Prozess sind:
1. Information und Mobilisierung wohnungsloser und ehemals wohnungsloser Menschen für Teilhabe und Selbstorganisation (Empowerment)
2. Bildung und Aufbau von regionalen und themenbezogenen Gruppen (Community Organzing)
3. jährliche Sommercamps als Koordinierungstreffen (Verstetigung)
4. sichtbare Resultate und Effekte der Teilhabe und Selbstorganisation – Aktionen, Kampagnen, Postitionspapiere, Stellungnahmen, Beteiligungen in Gremien, eigene Organisationsform usw. (Nachhaltigkeit)
Damit möchten wir noch einmal deutlich machen, dass die jährlichen Sommercamps eingebettet sind in eine komplexe Gesamtstrategie und der personelle Aufwand weit über die reine Organisation der Koordinationstreffen Sommercamp hinausgeht.

3. Begriff Sommercamps

Die Fokussierung auf den Begriff „Sommercamps“ erfolgte in der Absicht, das abstrakte Thema Beteiligung und Selbstorganisation mit einem bildlichen, attraktiven Begriff für die Adressaten interessant darzustellen und somit einen niedrigschwelligen Zugang zum Anliegen von Teilhabe und Selbstorganisation herzustellen. Aus methodischen Überlegungen heraus ist es von zentraler Bedeutung, eine „kritische Masse“ an Beteiligten sichtbar und erfahrbar werden zu lassen.
Ganz offensichtlich haben wir bei der Planung des Projekts nicht hinreichend klar vorhergesehen, welche Irritationen diese Begrifflichkeit auslöst. Das haben wir auch mit dem Land Niedersachsen und dem Diakonischen Werk Niedersachsen erlebt, konnten dieses jedoch in Gesprächen klären.

4. Zwischenergebnis und Perspektive

Auf Grund der Genehmigung zum vorzeitigen Maßnahmebeginn durch das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. wurde mit dem Projekt begonnen. Ein erstes Wohnungslosentreffen Sommercamp Freistatt mit 80 Teilnehmern wurde erfolgreich durchgeführt. Dabei wurde sichtbar, dass ein großes Interesse der Teilnehmer darin besteht, die Intention von Teilhabe und Selbstorganisation aufzugreifen und in regionalen und thematischen Gruppen zu arbeiten.
Schon jetzt erkennbar ist die Absicht, in folgenden Regionen Gruppen aufzubauen: Hannover, Gifhorn, Lüneburg, Hamburg, Köln, Oberbergischer Kreis, Siegen. Inhaltlich wurde von den Teilnehmenden benannt, an folgenden Themen arbeiten zu wollen: Kunst- und Kultur, Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Internationale Vernetzung, Frauen, Menschenrechte, Teilhabe an bestehenden Strukturen.
Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass der Aufbau dieser Gruppen kein Selbstläufer ist.
In der Fachöffentlichkeit wurde das Sommercamp auf der Tagung des EFWE (Evangelischer Fachverband für Wohnungslosenhilfe und Existenzsicherung) in Hannover am 10.06.2016 und dem EBET (Bundesfachverband Existenzsicherung und Teilhabe e.V.)- Kongress in Erfurt am 27.09.2016 vorgestellt. Der Präsident des Diakonischen Werkes, Pastor Lilie, erwähnte in seinem Grundsatzbeitrag zu Selbstorganisation und Teilhabe auf dem EBET-Kongreß das Sommercamp-Projekt als gutes Beispiel. Auf dem Arbeitskreis Historische Sozialarbeit (interuniversitäre Arbeitsgruppe) wird das Projekt am 27.10.2016 in der ev. Fachhochschule in Bochum vorgestellt.
Auf dem Treffen der Menschen mit Armutserfahrung der Nationalen Armutskonferenz (NAK) war das Sommercamp-Projekt als wegweisendes Projekt bei der Partizipation unterrepräsentierter Armutsgruppen Gesprächsthema.

5. Personalstelle

Die Vollzeitstelle ist geplant mit Blick auf das Ziel, Teilhabe und Selbstorganisation wohnungsloser und ehemals wohnungsloser Menschen zu verbessern und innerhalb eines dreijährigen Prozesses Strukturen zu fördern und aufzubauen, die über das Projekt hinaus nachhaltig wirken.
Deshalb ist die Arbeit der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Sommercamps nur ein Teilbereich der komplexen Aufgabenstellung. Weitere zentrale und zeitlich umfangreiche Aufgabenstellungen bestehen
im Prozess der Information und Mobilisierung wohnungsloser Menschen im persönlichen Kontakt an den Orten ihrer Lebenswelt. Diese Arbeit ist zeitaufwändig aber notwendig, da die Herstellung einer Motivation im persönlichen Kontakt am ehesten gelingen kann und somit ein Vertrauen in die Ernsthaftigkeit des Anliegens hergestellt werden kann.
im Aufbau und der Förderung regionaler und thematischen Gruppen. Die Gruppen benötigen - gerade in der Start- und Konsolidierungsphase - eine umfangreiche Unterstützung und sind keineswegs ein Selbstläufer. Das betrifft z.B. die Punkte: Gruppenfindung, Motivation, Zielsetzung, Selbstverständnis, Arbeitsweise, Moderation und Leitung, Gruppendynamik, Öffentlichkeitsarbeit und Akquise. Für diesen Betreuungsbedarf ist hinreichend Zeit einzuplanen.
in der Vermittlung zu Kontakten in die Gesellschaft hinein, etwa im Bereich der Politik, der Wissenschaft, sozialer Einrichtungen, möglicher Sponsoren usw. Auch hier ist davon auszugehen, dass die Gruppen erheblichen Unterstützungsbedarf benötigen.
in der dauerhaften Erreichbarkeit. Gerade weil die Menschen, die mit dem Projekt erreicht werden sollen, eigenverantwortliche Formen und Strukturen von Teilhabe und Selbstorganisation entwickeln, ohne dass es dafür klare Vorbilder und Modelle gibt, benötigen sie insbesondere in der Startphase einen engagierten, unabhängigen, erreichbaren, kompetenten Ansprechpartner, der sie in allen ihren konkreten Anliegen beraten und unterstützen kann. Dies ist durch eine Vollzeitstelle am besten gewährleistet.

Für weitere Rückfragen und Verständnisfragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung
Mit freundlichen Grüßen
Frank Kruse

2 Daten

2.1 Anzahl der Teilnehmenden

Insgesamt haben am Wohnungslosentreffen Sommercamp Freistatt 2016 aus dem Kreis der Zielgruppe 80 Personen mit insgesamt 4 Hunden teilgenommen.

2.2 Geschlechterverteilung

Von den 80 Teilnehmenden waren

14 Frauen, das entspricht einem Anteil von 18% sowie
66 Männer, das entspricht einem Anteil von 83%.

Es war erklärte Absicht während der Mobilisierung, durch gezielte Ansprache von Frauenprojekten einen repräsentativen Anteil von Frauen auf dem Wohnungslosentreffen zu erreichen. Dabei wurde davon ausgegangen, dass der Anteil von wohnungslosen Frauen etwa einen Anteil von 25% oder mehr innerhalb der Gesamtgruppe der Wohnungslosen ausmacht. Bedauerlicherweise gab es aber hier Widerstände von Seiten der Wohnungslosenhilfe. Die Arbeitsgruppe Frauen in der BAG-Wohnungslosenhilfe e.V., die über eine Teilnehmerin dieses Gremiums angesprochen wurde mit dem Ziel, die Einladung an wohnungslose Frauen in den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe weiter zu geben, urteilte über die Köpfe wohnungsloser Frauen hinweg.

2.3 Herkunft

Von den 80 Teilnehmenden waren

70 aus Deutschland (88%)
2 aus Österreich (3%)
3 aus Dänemark (4%)
2 aus den Niederlanden (3%)
2 aus Finnland (3%)
1 aus Irland (1%)

Diese Verteilung ergibt sich aus dem Umstand, dass Vertreter des Europäischen Netzwerkes Hope gezielt zu dem Wohnungslosentreffen Sommercamp Freistatt eingeladen worden sind.

Die 70 Teilnehmenden aus Deutschland verteilten sich wie folgt:
42 aus Niedersachsen (60%)
15 aus Nordrhein-Westfalen (21%)
1 aus Baden-Württemberg (1%)
6 aus Berlin (9%)
2 aus Brandenburg (3%)
1 Hamburg (1%)
1 Hessen (1%)
1 Sachsen (1%)

2.4 Mobilisierungsvideos

Ein Video zur Mobilisierung konnte vor dem ersten Wohnungslosentreffen Sommercamp Freistatt aus Zeit- und Kapazitätsgründen nicht erstellt werden. Nach diesem Treffen steht aber als Video zur Mobilisierung zur Verfügung ein dreiminütiger Beitrag des NDR, der unter Mitwirkung eines Sommercamp – Teilnehmers erstellt worden ist sowie eine neunminütige Dokumentation von Frank Kruse.
Beide Videos sind über die Homepage www.wohnungslosentreffen.de öffentlich zugänglich (Youtube Kanal) und können zur Information sowie zur Kommunikation des Projekts in vielfältigen Kontexten eingesetzt werden.

2.5 Flyer & Plakate

Von den Plakaten wurde eine Auflage von 300 Stück gedruckt. 3 Wochen vor Beginn wurde – aufgrund der hohen Nachfrage - nochmal eine weitere Auflage von 200 Stück gedruckt. Von den Plakaten ist nur noch ein Restbestand von ca. 25 Plakaten vorhanden.
Von den Flyern wurde eine Auflage von 2000 Exemplaren gedruckt. Davon sind 1650 verteilt worden.

2.6 Pressekonferenzen

Pressefrühstück. Im Vorfeld des Wohnungslosentreffens Sommercamp Freistatt 2016 wurde am 21.07.2017 um 11:00 Uhr in Hannover vom Diakonischen Werk – Landeskirche Niedersachsen ein Pressefrühstück organisiert. Im Nachgang zu diesem Frühstück gab es einige Pressemeldungen in Zeitungen sowie auf Internetportalen. Von Seiten der Organisationsteams nahmen Jürgen Schneider vom Armutsnetzwerk, Dr. Stefan Schneider als Koordinator, Janine Husman für Bethel im Norden an dieser Pressekonferenz teil.
Medienanfragen auf dem Wohnungslosentreffen. Zu Beginn des Sommercamps wurde aus dem Kreis der Teilnehmer eine Gruppe gebildet, die eigene Beiträge erstellen und Medienanfragen bearbeiten sollte. In diesem Zusammenhang sind einige Beiträge entstanden, die auf der Webseite www.wohnungslos.info aufzurufen sind. Die Medienarbeit wurde damit maßgeblich in die Hände der Teilnehmer gelegt. Christof Meyer-Gelt von der Freistätter Online Zeitung und Karsten Krampitz, Historiker und Buchautor, unterstützten und koordinierten dabei maßgeblich die Aktivitäten dieser Gruppe.
Abschlusspressekonferenz auf dem Wohnungslosentreffen. Die gemeinschaftlich erarbeitete Abschlusserklärung der Teilnehmer ist auf der Abschlusspressekonferenz vorgestellt und verlesen worden. Danach nutzten etliche Teilnehmer die Pressekonferenz zu spontanen Statements, in denen sie häufig ihre Lebenssituation thematisierten und die positiven Erfahrungen auf dem Sommercamp sowie ihre Motivation  zur weiteren Mitarbeit an dem Vorhaben.

2.7 Aufrufe der Homepage und der Programmbeschreibung

Ingesamt wurde mit Datum vom 15.11.2016 alle Seiten mit der URL www.wohnungslosentreffen.de/… genau 38.406 Mal angeklickt. Bei dieser Zahl ist aber davon auszugehen, dass etwa ein Drittel dieser Klicks lediglich Anfragen von sog. Bots sind, also Algorithmen, die für Suchmaschinen wie google oder bing das Internet nach Veränderungen regelmäßig durchforsten. Aber indirekt wird damit die Erreichbarkeit der Seite verbessert, da bei einschlägigen Suchanfragen zu Keywords wie Obdachlosigkeit usw. die Seiten mit der URL www.wohnungslosentreffen.de im Ranking nach oben rutschen.
Im Einzelnen (Stand 15.11.2016, Beginn der Webseite 01.06.2016)
    38.406 Klicks    www.wohnungslosentreffen.de/…    (alle Seiten)
    12.016 Klicks    Aufruf zum Wohnungslosentreffen Sommercamp Freistatt 2016
    2.508 Klicks    Programmseite  Wohnungslosentreffen Sommercamp Freistatt 2016
    1.438 Klicks    Regeln Wohnungslosentreffen Sommercamp Freistatt 2016

3 Stellungnahme: Verbesserung der Teilhabe?

3.1 Nachbereitung und weitere Koordination des Projekts Nov. 2016

Zur Beurteilung der Frage, ob das Projekt zur Verbesserung der Teilhabe und Selbstorganisation wohnungsloser Menschen beigetragen hat und fortgeführt werden sollte, kann das Protokoll des Nachbereitungs- und Koordinierungstreffens herangezogen werden. Dort heißt es:

Nachbereitungstreffen / Koordinierungstreffen Donnerstag, 03.11. - Sonnabend, 05.11.2016

Gemeinsames Ergebnisprotokoll (Status: noch nicht abgestimmte Entwurfsfassung)
1. Teilnehmer
Vom Donnerstag, 03.11. bis Sonnabend 05.11.2016 trafen sich 28 Teilnehmer vom Sommercamp Freistatt 2016 (aus Freistatt, Hannover, Lüneburg, Altenkirchen, Frankfurt am Main, Edewecht, Waldbröl, Potsdam, Berlin, Aalborg, Dänemark) sowie zwei neue Teilnehmer aus Pforzheim und Frankfurt. Vertreten waren die Gruppen Armutsnetzwerk e.V. (ANW), Bundesbetroffeneninitiative wohnungsloser Menschen e.V. (BBI), Homeless People in Europe (HOPE), Asphalt Straßenmagazin, Haus Segenborn, Szenia Frauentreffpunkt, Werkheim Hannover, Hartz IV-Betroffene e.V., LAK Brandenburg, sowie Teilnehmer, die häufig im Wendepunkt Lüneburg sind.

2. Themen
Themen waren die Auswertung des Sommercamps 2016, Termine seit dem Sommercamp, Ideen für die Weiterarbeit, die Vorstellung von konkreten Vorhaben und Treffen, die Vorstellung der BBI,  Überlegungen und Planungen für die Entwicklung des Projekts „Teilhabe und Selbstorganisation Wohnungsloser/ Sommercamps.“

3. Auswertung des Sommercamps

Protokoll liegt vor, siehe Anlage. Zentrale Ergebnisse:

Essensausgabe verbessern und Ressourcen besser nutzen, Verbesserungen in den Organisationsabläufen, Teilnehmer in Arbeitsabläufe stärker mit einbeziehen
Wichtige Programmpunkte sollen doppelt angeboten werden. Keine Einigkeit darüber, ob die Programmangebote reduziert oder ausgeweitet werden soll.
Freundliche Atmosphäre wiederholen.
Inhaltliche / Thematische Freiräume / offene Programmpunkte für die Teilnehmer*innen sollen geschaffen werden.

4. Berichte von Treffen und Aktivitäten nach dem Sommercamps

Es gab eine ausführliche Debatte darüber, wie die Politik zukünftig einbezogen werden kann. Ergebnis der Debatte war, dass zunächst eine eigene Position erarbeitet werden muss und dass dann auf dieser Grundlage Gespräche mit Politikern gesucht werden können. Wenn Politiker das Sommercamp oder andere Veranstaltungen besuchen, dann als Gäste unter den Teilnehmern.

Es gab eine lange Diskussion zum Thema Nationale Armutskonferenz (NAK). Dort entstehen Chancen zur Mitarbeit und Beteiligung, die aktiv genutzt werden sollen (Antrag zur Mitarbeit von Betroffenen). Kritisch diskutiert wurde die mangelnde Öffentlichkeit und Transparenz der NAK. Dies gilt es langfristig zu verändern.

Das Treffen der Menschen mit Armutserfahrungen (27./28. September 2016) wurden von etwa 15 Teilnehmern des Koordinationstreffens bzw. Sommercamps besucht und wurde kritisch eingeschätzt (unübersichtliche Organisation, schlechte Vorbereitung des Politikergesprächs, verbesserungsfähige Pressearbeit). Daraus können wir lernen: Solche Fehler vermeiden, diese Treffen für die Vernetzung nutzen, ggf. dort eigene Themen, Anliegen und Forderungen aktiv einbringen.

5. Aspekte der Diskussion zum Selbstverständnis

Die Frage, wie wohnungslose und arme Menschen sich organisieren können und welche Beispiele bzw. Modelle (z.B. friedliche Revolution in der DDR) es dafür gibt? Das Gefühl, Teil einer „Bewegung“ zu sein, entsteht nicht von selbst. Wie sollte eine Organisationsform aussehen, die für wohnungslose, arme und benachteiligte oder ausgegrenzte Menschen passend ist?

Armut kennt keine Grenzen. Deshalb wollen wir unsere internationale Perspektive, Vernetzung und Zusammenarbeit ausbauen, weiterentwickeln und intensivieren.

Wir haben nochmal festgehalten: Das Projekt Teilhabe und Selbstorganisation hat seinen Fokus auf wohnungslose und ehemals wohnungslose Menschen.

6. Workshop Öffentlichkeitsarbeit

Aus der Freistätter Onlineredaktion ist die Idee und das Angebot entstanden, einen Workshop Öffentlichkeitsarbeit anzubieten, der dann auch die Öffentlichkeitsarbeit für das Sommercamp 2017 und das gesamte Projekt Teilhabe und Selbstorganisation Wohnungsloser übernimmt (Konzept siehe Anlage).

Der Workshop wird mit etwa 10 Teilnehmenden im Ende März / Anfang April 2017 in Freistatt stattfinden. Aus dem Workshop soll die Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit entstehen. Interessierte Menschen sind eingeladen, dabei zu sein.

7. Design Thinking Projekt

Der methodische Ansatz von Design Thinking wurde von der Geschäftsführung von Bethel im Norden vorgestellt und kritisch diskutiert. Die Studierenden vom Hasso-Plattner – Institut würden ein Semesterprojekt durchführen. Eine konkrete Frage ist zu beantworten. Eine Frage, die debattiert worden ist, lautet: Wer sind wir?

In einem Meinungsbild wird festgehalten: Die Koordinierungsgruppe sagt einstimmig, dass das Projekt durchgeführt werden soll.
In einem zweiten Meinungsbild wird mit deutlicher Mehrheit festgehalten, dass das Projekt jetzt für das Sommersemester 2017 angefragt werden soll.
Die Frage, die geklärt werden soll: Wer sind wir?
Die Argumente und Einwendungen der Skeptiker sollen mit einbezogen werden.

8. Öffnung für neue Partner / Beteiligte

BBI. Corinna Lenhart, Vorsitzende der BBI, hat die BBI vorgestellt und zur Geschichte und laufenden Arbeit berichtet. Wir werden mit der BBI zusammenarbeiten.

Beteiligte. Es entspannt sich eine ausführliche Debatte darüber, wie viele Menschen und welche Projekte und Gruppen am nächsten Sommercamp teilnehmen und wie das Verfahren zur Einladung sein soll.

Kapazitäten. Nach Auffassung von Frank Kruse, Bereichsleiter Wohnungslosenhilfe, ist die Infrastruktur in Freistatt und im Haus Wegwende mit 120 Menschen vollständig ausgelastet. Wenn die Zahl von 120 deutlich überschritten werden soll, muss der Ort verändert und eine weitere Finanzierung beschafft werden.
Es gibt keine Einigkeit darüber, ob die Zahl von 120 Personen die Obergrenze für das nächste Sommercamp sein soll.

Teilnehmerkreis 2017. Ebenso gibt es unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie die Teilnahme organisiert werden soll.
Einigkeit besteht darin, dass die Teilnehmer der Koordinierungsgruppe Teilnehmer am Sommercamp 2017 sein werden.
Gezielte Einladungen an Gruppen, offene Listen sowie die Einführung von Kontingenten für bestimmte Teilgruppen in Verbindung mit Gewichtungen und/oder Losverfahren werden diskutiert.
Ein diskutiertes Modell war, zunächst regionale Gruppen aufzubauen und das Sommercamp als Delegiertentreffen zu nutzen, bei dem jede Gruppe frei entscheiden kann, welche Vertreter entsendet werden.
Die Entscheidung darüber steht noch aus.

Name, Motto, Logo Ob „Sommercamp“ der richtige Begriff ist, sowie Motto und das Logo müssen noch diskutiert werden.

9. Aktivitäten

Frauentagung. Eine Gruppe Frauen nimmt an der Tagung der Frauen in der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG-W) am 21./22.11.2016 in Berlin zum Thema Anders und doch so gleich II Migrantinnen in den Hilfen im Wohnungsnotfall teil. Den teilnehmenden Frauen sollen keine Kosten für Anreise, Unterkunft und Teilnahme entstehen. Die Tagung soll nach Möglichkeit auch genutzt werden, um mit den Frauen der AK Frauen der BAG-W über die Nichtweitergabe von Informationen zum Sommercamp an Frauen zu sprechen.
Fachtag Hochschule. Die Hochschule Hannover organisiert am 17.11.2016 einen Fachtag zum Thema Kooperieren und Vernetzen – Potenziale der Gemeinwesendiakonie für Kirche, Diakonie und Gesellschaft. Teilnehmer des Sommercamps werden in einem Workshop das Projekt Sommercamps Teilhabe vorstellen. Die Vorbereitung erfolgt am 16.11.2016 (Koordination: Stefan)
Fachtag Funktionaler Analphabetismus. Teilnehmer der Koordinierungsgruppe werden am 01.12.2016 an einem Fachtag funktionaler Analphabetismus in Berlin teilnehmen.
Haus Segenborn. Ein Besuch im Haus Segenborn soll für Anfang Dezember 2016 geplant werden. Ziel Kennenlernen, Projektvorstellung, weitere Zusammenarbeit. Bislang meldeten Interesse an: Stefan, Hasso, Werner, Christoph, Jens.
Land Brandenburg: Jürgen Weber, Sprecher der Erwerbslosengruppen der Linke im Land Brandenburg und Mitglied der Landesarmutskonferenz Brandenburg will das Projekt in Brandenburg vorstellen.
Lüneburg. Ein Termin Lüneburg im Treffpunkt Wendepunkt mit Uwe Eger und anderen zur Vorstellung des Projekts wird ab Ende November geplant.

10. Offene Fragen / Themen /Beschlüsse

Namensfrage (siehe oben)

Willkommenskultur Das Thema Willkommenskultur/ Gesprächskultur/ Gruppendynamik im Sommercamp soll auf dem nächsten Koordinierungstreffen Anfang März 2017 nochmal besprochen und analysiert werden. Ziel der Verständigung soll ein Austausch sein, um uns bewusst zu machen, wie das fortgeführt werden kann. Es ist nicht selbstverständlich, dass es im nächsten Jahr auch so wird.

Forum. Zur Verbesserung der Kommunikation und für Anfragen usw. wird auf der Webseite www.wohnungslosentreffen.de ein geschlossenes Forum eingerichtet. Zuständig für die Umsetzung sind Jens, Christoph, Stefan

Herzlichen Dank an die, die an der Organisation dieses Treffens beteiligt waren.

11. Nächstes Koordinierungstreffen:

Donnerstag, 02.03. - Samstag, 04.03.2017 in Freistatt

Für das Protokoll
Freistatt, 05.11.2016

Stefan Schneider

3.2 Teilergebnisse & Perspektiven

Dieses Protokoll dokumentiert u.E. folgende Teilergebnisse

  1. Es ist gelungen, durch das Wohnungslosentreffen Sommercamp Freistatt 2016 einen Kreis von mehr als 25 Personen zu mobilisieren, die an einer Weiterarbeit interessiert sind.
  2. Die erreichten Teilnehmer repräsentieren zum einen Teil auch Gruppen bzw. die Möglichkeit einer Gruppenbildung,
  3. dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen, neue Einzelpersonen sind bereits hinzugekommen, weitere könnten und sollen angesprochen werden.
  4. Es gibt ein offensichtliches Bedürfnis nach einem vertieften gegenseitigen Kennenlernen, wobei hier Teilnehmer, die aus Einrichtungen kommen bzw. sich in Einrichtungen treffen, Vorteile haben gegenüber Teilnehmern, die diesen institutionellen Rückhalt nicht haben. Damit kann angenommen werden, dass ein Bewusstsein über die Vielfalt der Lebenslagen in der Wohnungslosigkeit am entstehen ist.
  5. Die Idee, dass Wohnungslose zunehmend Verantwortung für das Projekt übernehmen, ist verstanden worden. Das wird deutlich an der engagierten Auswertung, die in Sondierungen mündet, die Fragen der Vorbereitung und der Organisation des nächsten Treffens betreffen sowie den Prozess allgemein.
  6. Die Gruppe befindet sich noch mitten im Selbstfindungsprozess, die Fragen: Wer sind wir? Was wollen wir? Wem erzählen? Welche Botschaft? stehen noch im Mittelpunkt der Suchbewegung.
  7. Das Projekt ist seit dem Wohnungslosentreffen Sommercamp Freistatt 2016 in einigen Veranstaltungen und in unterschiedlichen Konstellationen kommuniziert worden, weitere Termine sind in Vorbereitung bzw. sind in Planung. Damit verbreitert sich die öffentliche Wahrnehmung für den Prozess, der mit dem Projekt angestoßen wird.
  8. Aus dem großen Erfolg des Wohnungslosentreffens Sommercamp Freistatt 2016 resultiert das Problem der Mengenbegrenzung. Diskutiert wird, nach welchen Kriterien die Teilnehmer für 2017 ausgewählt werden sollen und damit verbunden perspektivische Fragen von Struktur und Organisationform. Die Bildung von thematischen und regionalen Gruppen wird erstmals diskutiert.
  9. Dringlich erscheinen weitere Qualifizierungen. Angebote von außen werden kritisch diskutiert und angenommen („design thinking“), aber auch aus der Gruppe heraus entstehen Ideen, die konkretisiert werden (Workshop Öffentlichkeitsarbeit).
  10. Pointiert diskutiert wird der Umstand, dass ein offensives „In-die-Öffentlichkeit-gehen“ bzw. ein Dialog mit der Politik erst auf Grundlage eines geklärten Selbstverständnisses und einer bestehenden Programmatik sinnvoll erfolgen kann. Wie lange dieser Prozess dauert, ist gegenwärtig noch nicht absehbar. In einer optimistischen Betrachtung könnte der Prozess der Selbstfindung auf dem nächsten Wohnungslosentreffen Sommercamp Freistatt 2017 vorläufig abgeschlossen, und der Prozess der Entwicklung einer eigenen Programmatik auf eben diesem Treffen erstmals ausführlicher diskutiert werden.

3.3 Schlussfolgerungen

Auf Grundlage der oben dargestellten Teilergebnisse und der gegenwärtigen komplexen Dynamik des Projekts scheint eine Fortführung des Vorhabens sinnvoll und empfehlenswert.

3.4 Anfragen aus der Politik bzw. des Ministeriums

Insofern das niedersächsische Ministerium berechtigterweise Interesse an spezifischen Ergebnissen und Rückmeldungen zu einzelnen politischen Themen und Anliegen im Kontext von Wohnungslosigkeit und Armut hat, wäre anzuregen, die Gruppe mit konkreten Anfragen zu konfrontieren. Diese könnten dann auf den stattfindenden Koordinierungstreffen zur Bearbeitung vorgelegt werden.  Ggf. würde dies gesonderte thematische Treffen erforderlich machen, auf denen gemeinschaftlich an der Beantwortung dieser Fragen gearbeitet wird und möglicherweise ist auch eine Rückkoppelung mit weiteren Gruppen bzw. eine Abstimmung auf breiterer Basis erforderlich.
Auf der anderen Seite würden solche Anfragen den angestrebten Prozess der Förderung von Teilhabe deutlich befeuern. Wohnungslose wären somit mit der Anforderung konfrontiert, sich mit Fachfragen aus ihre Lebenskontext gemeinsam verbindlich zu äußern und das wäre der Anfang eines Dialoges auf Augenhöhe.

4 Zusammenfassung

Die wesentlichen in der Konzeption dargestellten Teilziele konnten mit dem Projekt Förderung von Teilhabe und Selbstorganisation wohnungsloser Menschen in Niedersachsen (Empowerment, Community Organizing, Sommercamps, Verstetigung) bislang erreicht werden, eine Sensibilität für das Thema ist auf allen Seiten vorhanden, eine Kerngruppe von über 25 wohnungslosen und ehemals wohnungslosen Menschen konnte gebildet werden, dieser Personenkreis ist entschlossen und motiviert, über eine Selbstfindungsphase hinaus den Prozess Schritt für Schritt in die eigenen Hände zu nehmen und auf eine noch breitere Basis zu stellen. Aufgrund der noch äußerst fragilen, nur anfanghaft bestehenden Strukturen kann der Prozess nur dann gelingen, wenn er wie im Projektantrag skizziert noch über wenigstens zwei weitere Jahre massiv unterstützt werden kann.

Freistatt, 20.11.2016

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