Frank Kruse, Jürgen Schneider, Stefan Schneider und andere

Wohnungslosentreffen 2018 – Aktuelles zur Selbstvertretung Wohnungsloser

In dem ergebnisoffenen Projekt Wohnungslosentreffen hat sich als zentrales Ziel der Aufbau einer Selbstvertretung wohnungsloser Menschen herauskristallisiert. Wohnungslose und ehemals wohnungslose Menschen, deren Lebensmittelpunkt die Straße, die Anlaufstelle oder die Einrichtung ist oder war, wurden erreicht und zur Mitwirkung motiviert. Es haben sich eigene Plattformen („Vollversammlung“ - Wohnungslosentreffen, Koordinierungstreffen im Frühjahr und Herbst) und weitere Kommunikations- und Netzwerkstrukturen (email-Verteiler, Internetforum) etabliert. Regionale und themenorientierte Gruppen sind am entstehen (z.B. Theatergruppe, Frauengruppe); hinzu kommen eine Vielzahl an Teilnahmen an Veranstaltungen, Aktionen und eigne Projekte und Initiativen.
Verschiedene methodische Konzepte und Elemente aus der klassischen Gruppenarbeit, dem Team-Building, dem Empowerment-Ansatz, dem Assistenz-Konzept der Behindertenhilfe, des Thinking Circle, des Community Organzing werden angewendet und wirken zusammen.

Im Workshop wird der aktuelle Stand des Projekts „Förderung von Teilhabe und Selbstorganisation wohnungsloser Menschen in Niedersachsen (Empowerment, Community Organizing, Sommercamps, Verstetigung)“ und die weiteren Planungen vorgestellt, und zwar sowohl vom Organisationsteam als auch von Teilnehmenden. Beleuchtet werden unter anderem die methodischen Elemente, die zur Anwendung kommen und die neuen und veränderten Anforderungen an die Wohnungslosenhilfe. Der Workshop bietet genügend Raum für Nachfragen und Diskussion.

Die Selbstvertretung Vereinter Wohnungsloser

- möchte aufmerksam machen auf Menschen, die von der akuten Kältewelle bedroht sind und
- bittet darum, die Mitmenschen, die bedrohter Lage sind zu unterstützen und
- hat ein paar Anregungen erarbeitet, wie das konkret aussehen kann:

  • Wir brauchen keinen Alkohol & Mitleid. Wir brauchen Schlafsäcke, Zelte, Socken und warme Schuhe!
  • Etwas Warmes braucht der Mensch.
  • Obdachlose: Wer im Winter wegschaut lässt sterben!
  • Handwärmer aus der Apotheke retten Finger & und Körper!
  • Machen Sie die Augen auf!
  • Offene Kleiderständer können Wärme spenden!
  • Menschen sind Menschen: Seht hin, die Kälte kann töten. Bitte helft!
  • Wenn ich sehe ein Mensch friert wird mir auch eine Möglichkeit einfallen, eine Form von Wärme zu schenken!
  • Menschen brauchen Wärme!
  • Helfen - jetzt sofort!
  • Kälte ohne Hilfe ist Kälte ohne Wärme. Nur Kälte!
  • Ruft die 112, wenn ihr denkt, dass jemand hilflos ist!
  • Was hilft direkt? Wärme Suppe Mullbinden Hygieneartikel und die freundliche Nachfrage, ob jemand Hilfe möchte!
  • Lasst mal eure Hauseingänge aufgeschlossen!

HelphomelessFreistatt, 01.03.2018

Aufgeschrieben auf dem Koordinierungstreffen der Selbstvertretung Vereinter Wohnungsloser vom 01.-04.03.2018 in Freistatt, Niedersachen von 30 akut wohnungslosen oder ehemals wohnungslosen Menschen aus Deutschland, Österreich und Kopenhagen und einigen Unterstützenden.

Schreiber: Norbert Brandt, Edewecht & Stefan Schneider, Berlin

siehe auch: https://wohnungslos.info/2018/03/aufruf-der-selbstvertretung-vereinigter-wohnungsloser-zur-winterhilfe/

- Arbeitsbesuch zur Vorbereitung in Herzogsägmühle, Bayern.

HZSM01Vom 13. bis zum 14. Februar 2018 war das Organisationsteam vom Projekt Wohnungslosentreffen, Frank Kruse, Janine Husmann, Jürgen Schneider und Stefan Schneider zu einem Arbeitsbesuch in Herzogsägmühle, Bayern.

Herzogsägmühle wurde 1894 als Arbeiterkolonie gegründet und ist heute eine soziale Einrichtung der Diakonie. Die Siedlung ist ein Ortsteil von Peiting im Landkreis Weilheim-Schongau etwa 80 km südwestlich von München. Träger ist der Verein Innere Mission München – Diakonie in München und Oberbayern.

Die Gruppe wurde begrüßt von Michl Schmid, dem Leiter des Bereich Berufliches Clearing und Tagesstruktur in Herzogsägmühle. Herzogsägmühle hat die Absicht, im Jahr 2019 – anlässlich des 125 jährigen Jubiläums der Einrichtung – das 4. Wohnungslosentreffen ausrichten.

Michl war bereits im Sommer 2017 Gast auf dem Wohnungslosentreffen in Freistatt und stellte dort kurz seine Einrichtung vor. Während der zwei Besuchstage ging es darum, Herzogsägmühle als Veranstaltungsort kennen zu lernen und anhand einer umfangreichen Checkliste zu klären, welche Voraussetzungen für die Durchführung eines großen Wohnungslosentreffens gegeben sind.

HZSM02Als zentraler Versammlungs- und Veranstaltungsort kann der 2009 erbaute Rainer-Endisch-Saal genutzt werden, der an einem Hang gelegen und von einem Teich umgeben ist. Gegenüber im Verwaltungsgebäude stehen weitere drei Gruppenarbeitsräume zur Verfügung sowie weitere Räumlichkeiten in anderen Häusern im Dorf. Etwa 200 Meter entfernt vom diesem Bereich kann auf der Wiese hinter dem Sportplatz gezeltet werden. In der kleinen Baracke am Ende des Sportplatzes könnten Menschen untergebracht werden, die nicht im Zelt übernachten können. Duschen und Toiletten wären in der neben dem Sportplatz gelegenen Turnhalle verfügbar. Als Zeitraum würde die erste Augusthälfte 2019 in Frage kommen.

In Herzogsägmühle gibt es einen Lebensmittelmarkt, ein Restaurant und eine Bushaltestelle mit regelmässigen Busverbindungen nach Peiting und Schongau. Ein Gästehaus wie in Freistatt existiert in Herzogsägmühle leider nicht. Ein flächendeckendes WLAN ist ebenfalls noch nicht vorhanden, soll aber im Verlauf des Jahres 2018 eingerichtet werden.

Die Hauptküche in Herzogsägmühle ist in der Lage, die Verpflegung im Verlauf der Woche bereitzustellen und auch die Essensausgabe zu gewährleisten. Der Fahrdienst von Herzogsägmühle ist in der Lage, eine Abholung von Peiting oder Schongau zu gewährleisten, in einzelnen Fällen auch von Augsburg oder München Flughafen.

HZSM03Insgesamt sind also gute Voraussetzungen dafür gegeben, dass 2019 das 4. Wohnungslosentreffen in Herzogsägmühle durchzuführen. Aufgrund der geografischen Lage des Standortes ist damit zu rechnen, dass verstärkt Menschen aus dem südlichen deutschsprachigen Raum Interesse an einer Teilnahme bekunden werden – und dass einigen anderen Menschen aus dem nördlichen Raum die Anreise ggf. zu weit sein wird.

Das Treffen wird mit Verpflegung, Reisekostenerstattung, Koordinierungskosten, Referenten- und Künstlerhonorare usw. mehrere zehntausend Euro kosten. Diese Gelder zu beantragen und bewilligt zu bekommen, wird eine der Hauptaufgaben des Jahres 2018 sein. V

Verabredet ist, dass Michl Schmid zusammen mit einer kleinen Gruppe am 3. Wohnungslosentreffen 2018 als Beobachter teilnehmen wird, um zu verstehen, an was alles gedacht werden muss, wenn es darum geht, ein Wohnungslosentreffen vorzubereiten und durchzuführen.

Unser Fazit: Herzogsägmühle ist ein hervorragender, gut organisierter Ort für ein Wohnungslosentreffen. Insbesondere der moderne Rainer-Endisch-Saal mit seiner offenen, lichtdurchfluteten Architektur bietet beste Voraussetzungen für eine positive, kreative Arbeitsatmosphäre. Die noch offenen Fragen können sicherlich bis 2019 gemeinschaftlich geklärt werden.

Stefan Schneider, Koordinator

Weblinks:

 

2017 Lothar Hirsch, Limburg - Foto von Norbert BrandtEinen langen Baumes Wurzel bist du gewesen.
Einen hohen Berges Stein warst du.
Nun geh zu deinen Baum und zu deinem Berg zurück.

In stiller Trauer nehmen wir Abschied von

Lothar Hirsch, Limburg

geboren am 03.02.1948
verstorben am 14.01.2018

Lothar wird am 02.02.2018 um 12.00 Uhr auf dem Rasenfriedhof von Dachsenhausen  beigesetzt.


Dazu erhielten wir Post aus Limburg:

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu unserem Bedauern teilen wir Ihnen mit, dass Lothar Hirsch am 15.01.2018 nach kurzer und schwerer Krankheit verstorben ist.

Herr Hirsch hat im vergangenen Jahr am Wohnungslosentreffen in Freistatt teilgenommen und hat sowohl uns MitarbeiterInnen als auch den wohnungslosen Menschen in der kommunalen Notunterkunft in Limburg begeistert davon berichtet. Er sprach oft davon und stand auch mit anderen TeilnehmerInnen des Treffens in Kontakt. Daher bitten wir Sie darum, die Nachricht von seinem Ableben entsprechend weiterzugeben. Vielen Dank.

Freundliche Grüße

Michael F.

Walter-Adlhoch-Haus
Eisenbahnstraße 3-4
65549 Limburg


Ein Zeitungsbericht, in dem Lothar erwähnt wird:

Die Würde kehrt ins Leben zurück


Karsten (Mainz) schreibt:

Au das tut weh.
Ich hatte mich sehr schnell mit Lothar angefreundet.
Beim Lagerfeuer sassen wir beisammen und quatschten über alles.
Er kam aus Aachen ich war in der nähe als Soldat stationiert. Gegenseitige Heimatkunde.
Ich hätte auch nie gedacht, dass wir den gleichen Musikgeschmack haben. Er erzählte mir viel aus seinem
Leben und das er sehr krank sei.
Zwischen den Jahren habe ich nochmal eine Mail geschickt, wünschte ihm gute Besserung und dass wir uns 2018 in Freistatt wiedersehen.
Nun wird es kein wiedersehen geben.
Gute Reise Lothar.

Karsten

K

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